Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195365
Grössere 
Ausbreitm 
lg und Streben nach freier 
ltwickelung, 
von Ol. 
sei, ist sogar bestimmt falsch. Denn wenn man auch Pausanias zu Liebe Phanas, 
der nach Africanus Ol. 67 siegte, aus einem Pellenaeer zu einem Pallenaeer hat 
machen wollen 1), so bleiben auch dann noch Ikaros aus Hyperesia als Sieger 
in Ol. 231), und Pataekos aus Dyme in Ol. 713), um das Grundlose seiner Be- 
hauptung zu zeigen. Er selbst erwähnt indessen einer Sage, die ihm thöricht 
scheint, vielleicht aber am besten alle Schwierigkeiten löst: dass nemlich Oebotas 
bei Plataeae mitgekämpft habe. Nehmen wir an, dass er als Heros in dieser 
Schlacht erschien, wofür es nicht an Analogien fehlt, so konnte sich sein Fluch 
erst von dieser Zeit herschreiben, und die nur wenige Olympiaden später er- 
folgte Sühnung, nach welcher alsbald Sostratos siegt, hat dann nichts auffälliges 
mehr. Wie dem aber auch sei, wir wollen hier auf die Statue des Oebotas 
kein Gewicht legen. Ebenso müssen wir auch die von Siebelis angeführten 
Beispiele meist als Lingenügend beseitigen. Die später errichteten Statuen des 
Chionis, der Ol. 28-814), des Eutelidas, der Ol. 38 siegt 5), können nichts be- 
weisen, da erst gegen Ol. 60 überhaupt Siegerstatuen in Gebrauch kommen ü). 
Hiero ferner konnte für die Weihung nur deshalb nicht Sorge tragen, weil er 
bald nach dem Siege starb 7). Dagegen bietet trotz Sillig's Einwendungen der 
Karystier Glaukos ein erstes sicheres Beispiel für die spätere Aufstellung S). 
Denn er war als Jüngling, wenigstens oüx äwrsigcag äxwv  itcixryg, von seinem 
Vater nach Olympia zum Faustkampf geführt worden, hatte also anderswo noch 
nicht gekämpft. Nachher aber gewann er zwei pythische, acht nemeische und 
isthmische Siege, starb also auf keinen Fall bald nach dem olympischen Siege, 
wie Sillig meint. Wenn daher seine Statue erst von seinem Sohne aufgestellt 
ward, so ist dies sicherlich lange Zeit nachher geschehen. Hierzu füge ich noch 
folgende Beispiele: 2) Gheilon von Patrae war der Inschrift der Statue zufolge 
nach mehrfachen Wettsiegen im Kriege gefallen, die Statue selbst also offenbar 
erst später errichtet 9); 3) Polydamas von Skotussa siegte nach Africanus Ol. 93, 
hatte aber in Olympia eine Statue von der Hand des Lysipp 10); 4) Diagoras 
siegte Ol. 79; seine Statue jedoch war ein Werk des Kallikles aus Megara, eines 
Sohnes des Theokosmos, der selbst noch 01.93 thätig ist 11). 5) Mnaseas siegt 
als Hoplit, sein Sohn Kratisthenes im Wagenrennen, und' doch waren die Statuen 
von einem und demselben Künstler Pythagoras 11). Eben so siegte 6) Kalliteles 
im Ringen, sein Sohn Polypeithes im Wagenrennen, und ihre Statuen standen 
auf einer Basis 13); 7) Demaratos im Hoplitenlauf, sein Sohn Theopompos im 
Pentathlon; die Statuen beider aber hatten Eutelidas und Chrysothemis ge- 
macht 14). In den drei letzten Fällen wird also erst der Sohn die Statue des 
Vaters mit seiner eigenen aufgestellt haben. Dies sind also schon sieben sichere 
Ausnahmen von der vergeblichen Regel, der zufolge die Weihung der Statue 
dem Siege unmittelbar folgen musste. Allein zu diesen einzelnen Ausnahmen 
füge ich noch eine ganze Klasse, welche die Geltung der Regel überhaupt ge- 
fährdet. Wir kennen eine Reihe von Siegern, die den Preis in Olympia mehrere 
1) Vgl. Krause O]. unter Phgnas. 2:) Pans. IV, 
VI, 13, 2: vgl. Krause O1. s. v. v) Paus. VI. 15, 8. 
3) Pans, VI, 1O_ 1; vgl, unten Glaukias von Aegina. 9 
11) Pans. v1. 7, 2.  9, s. 12) Pans. VI, 13. 7 ; 18, 
VI, 10, 5.
        

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