Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195299
Bildhauer. 
und andere Werke des Erzgusses in Peloponnes nicht genannt werden. Da- 
gegen ist schon bemerkt worden, wie ausser in der Marmorarbeit die kretischen 
Daedaliden auch in der Weiteren Ausbildung der Holzsculptur Ruhm erwarben. 
Nicht unmöglich ist es, dass die Anregung dazu von Bathykles, und durch ihn 
von dem Hofe des Kroesus kam, durch dessen Reichthümer Glanz und Luxus 
auch in der Kunst eher Eingang finden mussten, als dies bei der Verhältniss- 
mässigen Armuth der griechischen Freistaaten des Festlandes möglich war. 
Ueberhaupt ist der Grad des äusseren Wohlstandes namentlich in dieser 
Zeit der ersten Anfänge künstlerischen Lebens keineswegs ausser Acht zu lassen, 
wenn wir die Verbreitung an den verschiedenen Punkten Griechenlands über- 
blicken. Es ist gewiss nicht blosser Zufall, dass die sämmtlichen uns be- 
kannten Kunstschulen von den Inseln ausgehen: dort ist der Verkehr am regsten, 
dort also entsteht zuerst Wohlstand, der an Verschönerung des Lebens denken 
lehrt. Wie nun aber die Inseln im Verkehr gewisse Gebiete des Festlandes 
beherrschen, so üben sie denselben Einfluss auch in der Kunst. Samos und 
Chios sind auf Kleinasien hingewiesen, und eben dahin führt uns ein Theil der 
Werke ihrer Kunstschulen. Von Kreta dagegen wandern die Künstler, Cheiri- 
sophos, Dipoenos und Skyllis, nach dem Peloponnes. Der Einfluss der letztern 
zeigt sich namentlich in Sparta durch eine Reihe von Schülern, und reicht von 
dort aus durch Klearch selbst bis nach Unteritalien. Andere Orte, Argos, Si- 
60 kyon, Kleonae, selbst Ambrakien, sollen mit ihren Werken angefüllt gewesen 
sein, und ihr Ansehen erscheint allerdings dort so bedeutend, dass es das An- 
denken an die einheimischen Kunstanfänge gänzlich verdunkelt hat. Dennoch 
aber sind uns von dort keine Schüler bekannt, welche von der Fortdauer ihres 
Einflusses bestimmtes Zeugniss ablegten. Eine vierte Insel gewinnt für die 
Künstlergeschichte erst in der nächsten Periode grössere Bedeutung, nemlich 
Aegina. Nur Smilis hat uns bereits beschäftigt. Seine Verbindung mit den 
samischen Künstlern ist aber in so fern wichtig, als sie auf weiteren Verkehr 
deutet, durch den die Kenntniss des Erzgusses bald nach Aegina gelangt 
sein muss.  
S0 zeigt uns dieser Ueberblick, dass der erste Aufschwung der Kunst in 
dieser Epoche von wenigen Mittelpunkten ausgeht, und der Fortschritt sich 
eben nur so weit offenbart, als sich das Wirken von diesen Punkten aus erstreckt. 
Was daneben noch erwähnt wird, in Korinth, in Sicilien, ist durchaus unter- 
geordnet. Besondere Aufmerksamkeit verdient aber deshalb noch der Umstand, 
dass wir aus dieser Epoche keinen einzigen athenischen Künstler kennen. Zwar 
ist durch die Zerstörung Athens im Perserkriege der grösste Theil alter Kunst- 
werke und damit die Kunde von ihnen vernichtet worden. Doch haben sich 
einige Reste sogar bis heute erhalten; und bei der Eifersucht der Athener auf 
ihren Ruhm würden sie wenigstens die Namen ihrer Künstler der Nachwelt 
überliefert haben. Allein wir finden keinen einzigen, nur Daedaliden im All- 
gemeinen. Die Kunst bewegt sich also auf den von Alters her vorgeschriebenen 
Wegen weiter, ohne dass durch das Wirken einer ausgezeichneten Persönlich- 
keit der Anstoss zu einem plötzlichen, in die Augen fallenden Fortschritt ge- 
geben worden wäre. 
Bedarf es schliesslich noch einer Rechtfertigung, warum wir die erste
        

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