Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195280
Die 
und 
Sage 
ältesten 
Künstlergruppen 
gegen 
nungen innerhalb ihres eigenen Gebietes. Gegenstände der Darstellung sind, 
wenn wir die rein statuarischen Werke ins Auge fassen, Götter und göttliche 
Wesen und zwar in so ausschliesslicher Weise, dass wir behaupten können, .38 
die Heroen seien damals noch von der Ehre der Bildsäulen ausgeschlossen ge- 
wesen; denn die Dioskuren und Herakles haben ihre Geltung auch unter den 
Göttern. Die Heroenmythologie nahm eine Stellung nur in zweiter Reihe ein, 
sie war auf das Belief beschränkt, und hier finden wir sie am Throne zu Amy- 
klae, wie schon früher am Kasten des Kypselos, in grösster Ausdehnung an- 
gewendet. Dieses Verhältniss entspricht vollkommen demjenigen, welches wir 
später in Rücksicht auf die Darstellung geschichtlicher Begebenheiten zu be- 
obachten Gelegenheit haben werden. Wir finden sie auf die lllalerei beschränkt, 
bis erst später das Königthum mit seinen Ansprüchen auf göttlichen Ursprung 
hervortrat. 
Eine vorzugsweise Ausbildung einzelner Göttergestalten in bestimmten 
Schulen oder durch bestimmte Künstler lässt sich in dieser Epoche noch nicht 
nachweisen. Denn erstens sind unsere Nachrichten sicherlich so lückenhaft, 
dass wir nie Wissen können, in wie weit der Zufall dabei sein Spiel gehabt 
hat. Wenn z. B. Smilis eine Hera in Samos, eine andere in Argos, dann die 
Horen wenigstens für einen Tempel der Hera macht, und O. Müller 1) deshalb 
den Künstler in ein ähnliches Verhältniss zur Hera bringen will, wie die Dae- 
daliden zur Athene, so wagen wir diese Folgerung darum nicht anzunehmen, 
weil die Thatsachen, auf denen sie beruht, der Zahl nach zu gering sind und 
zu sehr vereinzelt dastehen. Ferner aber ist an eine Vorliebe des Künstlers 
für gewisse Götter aus künstlerischen Rücksichten in dieser Epoche gewiss noch 
nicht zu denken. War er überhaupt nur im Stande, die Schwierigkeiten bei 
der äusseren Darstellung der Menschengestalt zu überwinden, so liess er sich 
gewiss gleich bereit finden, einen Zeus oder eine Hera, einen Apoll oder eine 
Artemis zu bilden. Denn der Unterschied lag; gewiss mehr in ausserlichen 
Kennzeichen, als in einer Abstufung der geistigen Bedeutung, das künstlerische 
Verdienst mehr in technischer und stylistischer Vollendung, als in der Durch- 
bildung der geistigen Eigenthümlichkeiten. Doch dürfen wir einen Umstand 
nicht übergehen, nemlich dass auch jetzt schon in statuarischen Werken mehrere 
Figuren zu einer Handlung verknüpft wurden, also auch in Bewegung und 
Stellung die frühere Ruhe grösserer Mannigfaltigkeit Platz machte. 
Leider fehlen uns über die Unterschiede des Styls in den einzelnen Schulen 5!) 
alle und jede Nachweisungen. Voraussetzen dürfen wir sie wenigstens in so 
weit, als sie durch die Verschiedenheit des angewendeten Stoffes bedingt sind. 
Hier sondern sich zuerst die samischen Künstler bestimmt von den übrigen 
durch den Erzguss. Ihre Erfindung scheint zwar bald nach ihnen, aber nicht 
augenblicklich allgemeine Verbreitung gefunden zu haben. Die Künstler von 
Chios sind, so viel wir wissen, ausschliesslich Marmorarbeiter. Dass die ver- 
goldeten Erzstatuen des Dipoenos und Skyllis im Besitze des Kroesus Guss- 
werke waren, wird nicht ausdrücklich gesagt und muss deshalb einigermaassen 
zweifelhaft bleiben, weil der Zeus ihres Schülers Klearch ein oqvvprilaniv war,
        

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