Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195268
Sage 
und 
ältesten 
Künstlergl-uppexl 
gegen 
Rückblick. 
Ich habe die Erörterungen über diese erste historische Periode mit der 
Behauptung begonnen, dass die eigentliche Geschichte der Künstler erst um 
das Jahr 600 v. Chr. zwischen Ol. 40-50 beginnen Den Beweis mussten die 
einzelnen Untersuchungen liefern. Es war aber dabei nöthig, einen Weg; ein- 
zuschlagen, der von dem meiner Vorgänger namentlich in einer Richtung ab- 
weicht. Viele der eben besprochenen Künstler erscheinen nach tmseren Quellen 
noch als halb der Sage angehörig. Anstatt nun von dieser auszugehen, fragte 
ich zuerst, ob neben ihr nicht eine geschichtliche Thatsache einen festeren 
Haltpunkt für die Untersuchung darbiete. Es war überall der Fall: ich stellte 
also diese Thatsache fest und wendete mich nun erst zur Betrachtung der Sage, 
nicht um sie schlechtweg zu verwerfen, sondern um sie zu erklären. Es ge- 
lang dies überall in so fern, als sich theils die Veranlassung der Entstehung, 
theils der Grund des Irrthums in der Ueberlieferung nachweisen liess, ohne 
dass dadurch unsern Gewährsmännern Gewalt angethan wurde. Wem etwa 
über Einzelnes noch Zweifel geblieben sind, der überblicke die ganzen Unter- 
suchungen in ihrem Zusammenhange: er versuche es, die Sage, wie sie ist, 
zu vertheidigen, aber er versuche es mit Gonsequenz, und es wird kein anderer 
Ausweg bleiben, als alle die Künstler, welche noch mit der Sage verknüpft 
sind, Smilis, Theodoros und Rhoekos, Dipoenos und Skyllis, Klearch, und selbst 
noch einige andere in der nächsten Epoche ohne Ausnahme zu verdoppeln: 
gewiss ein verzweifeltes Auskunftsmittel, welches allein schon den Beweis lie- 
fern kann, dass bei allen Verwirrungen der Chronologie dieselbe Ursache gleich- 
mässig gewirkt hat, nemlich der Mangel an richtigem Verständniss halb sagen- 
hafter Angaben. Ist es mir nun gelungen, diese Verwirrung überall von ein 
und demselben Standpunkte aus zu lösen, so ist dieses Gelingen selbst eine 
Gewähr mehr für die Richtigkeit des angewendeten Heilmittels. 
Betrachten wir aber unbefangen den ganzen Zustand Griechenlands um 
das Jahr 600, so werden wir dadurch gleichfalls vielmehr einen Grund für, als 
gegen die Richtigkeit der bisherigen Ergebnisse finden. Nicht äussere po- 
litische Ereignisse von grosser Bedeutung; sind es, welche um diese Zeit unsere 
Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sondern eine neue Entwickelung des griechischen 
Geistes. Das Staatsleben nimmt an vielen Orten neue, bestimmtere Gestalten 
an. welche auch für die höchsten Entwickelungen eine tüchtige Grundlage ab- 
geben. Die sieben Weisen, meist praktische Staatsmänner, treten gerade in 
dieser Zeit auf. Wie aber im Staate die alten Formen immer mehr schwinden, 
so verliert auch in der Literatur die Poesie ihre bisherige Alleinherrschaft. 
Neben poetischem Anschauen und Schaffen zeigt sich immer mehr reines Be- 
obachten und Denken über Vorhandenes und Gewesenes, über die Gründe der 
Dinge; wir hören von den ersten Philosophen und Geschichtsschreibern, die 
zuerst in den Gegenständen ihrer geistigen Thätigkeit, bald aber auch in der 
Form von der Poesie sich lossagen. Dürfen wir uns daher wundern, wenn auch 
auf dem Felde der Kunst sich ein neues Leben regt? Sie entbehrte bisher der 
Freiheit, sie stand im Dienste der Priester oder des Handwerkes. Im Dienste 
der Priester machte sie Bilder, welche die Gottheit vielmehr bedeuten, als dar-
        

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