Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195251
Bildhauer. 
Bezeichnung eines Thrones für das Ganze ist daher sehr uneigentlich zu ver- 
stehen. Wollen wir einen freilich nur theilweise zutreffenden Vergleich mit 
Werken des Mittelalters anstellen, so können Wir an die reich verzierten Chor- 
stühle christlicher Kirchen erinnern, die in ihrer Mitte den Altar haben, wie 
der Thron die Statue des Apollo auf dem Grabe des Hyakinthos. 
Ueber die Anordnung der zahlreichen Reliefs habe ich im Rheinischen 
Museum von Wlelcker und Ritschl 1) ausführlich gehandelt, und nachgewiesen, 
dass das Grundprincip derselben ein strenger Parallelismus, ein durchgehendes 
Entsprechen der einzelnen Glieder unter einander irn Raume war, dass dieses 
Entsprechen sich nicht blos innerhalb der einzelnen Reihen findet, sondern auch 
bei den ganzen Reihen unter einander wiederkehrt. Dieses Princip war aber 
keineswegs ein neues, von Bathykles zuerst aufgestelles: wir finden es bereits 
an dem Schilde bei Homer und Hesiod, am Kasten des Kypselos in voll- 
konnnenster Durchbildung; und es behauptet auch später, selbst bei einem 
Phidias und Polygnot, noch seine Geltung. 
Die Beschreibung der einzelnen Darstellungen überlassen wir jedem selbst 
bei Pausanias nachzulesen. Nur das wollen wir noch erwähnen, dass am obersten 
Theile des Thrones ein Chor der Magneter dargestellt war, welche dem Ba- 
thykles bei der Arbeit Hülfe geleistet hatten. 
Ehe wir zu einer allgemeinen Betrachtung dieses Abschnittes tibergehen, 
führen wir noch einige wenig wichtige Notizen über Künstler in Sicilien an. 
Polystratos, eigentlich aus Ambrakien, machte nach Tatian (adv. Gr. 54. 
p. 118 Worth) eine Statue des agrigentinischen Tyrannen Phalaris, Welcher 
Ol. 57, 4 starb (s. Glinton h.  Ein Künstler aus Ambrakien gerade in dieser 
frühen Zeit müsste auffällig erscheinen, wüssten wir nicht aus Plinius, dass 
Dipoenos und Skyllis während der Unterbrechung ihres Aufenthaltes in Sikyon 
sich dorthin gewendet hatten. 
Die Erwähnung des Phalaris führt uns auf: 
Perillos oder Perilaos (denn beide Namen sind gleich richtig, siehe 
Böckh zum G. I. Gr. I, p. 887), einen Agrigentiner und Erzarbeiter (rjusöarcög, 
Xalxszig nach Lucian). Ihm wird der berüchtigte Stier des Phalaris zuge- 
schrieben, in welchem er selbst zur ersten Probe geröstet sein soll (s. z. B. 
Plin. 34, 89. Lucian Enc. Phal. 11; 12). Dieser Stier hat zu den verschieden- 
artigsten Erörterungen in der alten, wie in der neuen Zeit Anlass gegeben, 
auf welche einzugehen für unsere Zwecke überflüssig erscheint. Eine blosse 
Fabel wird es schwerlich sein; wohl aber ist es möglich, was Böttiger ver- 
Inuthet, dass die ursprüngliche Veranlassung zu den verschildenen sich wider- 
streitenden Erzählungen in phoenicischen Götterculten zu suchen sei, die von 
Karthago nach der sicilischen Küste übertragen wurden (Kunstmythol. S. 359 
und 380 flgd.)
        

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