Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195232
dhauer. 
YVegen ihrer Lehrer und ihres Schülers Kallon muss ihre Thätigkeit zwi- 
schen Ol. 60-70 fallen. Ihr Vaterland ist uns unbekannt. Nach dem Schul- 
zusammenhange dürfen wir aber voraussetzen, dass sie, wie die vorhergehenden, 
der Gruppe peloponnesischer Künstler angehören. Nur von einem ihrer Werke 
haben wir genauere Kunde, dem Apollo in Delos 1). Athenagoras 2) fügt zu 
diesem noch eine Artemis, welche von den anderen Gewährsmännern nicht ge- 
nannt Wird, aber darum doch noch nicht als eine Erdichtung zu verwerfen ist. 
 Der Apollo hielt nach Pausanias 3) die Chariten auf seiner Hand. Plutarch 4), 
der aus Antikles (oder richtiger aus den Deliaca des Autikleidas) und aus Istros 
(äv mig ämrpavsiatg) schöpft, giebt die Attribute derselben an: die beiden äusseren 
hatten die Leier und die Flöten, die mittlere hielt die Syrinx an den Mund, 
die Rechte des Gottes endlich führte den Bogen. Die weitere Nachricht, das 
Bild sei so alt, dass die Künstler den Meropern zur Zeit des Herakles angehören 
sollten, können wir füglich unbeachtet lassen. Nachbildungen der Statue hat 
man auf einem geschnittenen Stein und auf Münzen von Athen wiederzufinden 
geglaubt. ö) Doch lassen sich daraus über die Eigenthümlichkeiten des Styls 
keine bestimmten Schlüsse ziehen, sowohl wegen der Kleinheit, als auch wegen 
der Freiheit solcher Nachahmungen, die sich z. B. in der Gemme so weit er- 
streckt, dass die Chariten nackt und ohne Attribute gebildet sind, gerade wie 
in den späteren Marmorgruppen. Die Haltung des Apollo ist die gewöhnliche 
alter Götterbilder; die Arme sind fast gleichmässig ausgestreckt und die Last 
des Körpers auf beiden Beinen gleichmässig vertheilt. 
An die Schule des Dipoenos und Skyllis knüpfen wir passend an, was 
wir sonst von Künstlern wissen, welche in dieser Epoche im Peloponnes thätig 
waren. Gheirisophos gehört, wie jene, zu den kretischen Daedaliden. „ln 
Tegea ist ein Tempel des Apollo mit einem vergoldeten Bilde des Gottes. 
Gheirisophos machte es, ein Kreter von Geschlecht; sein Zeitalter indessen und 
seinen Lehrer kennen wir nicht. Der Aufenthalt des Daedalos in Knosos beim 
Minos verschaffte aber auf längere Zeit hin den Kretern auch in der Verfertigung- 
der Xoana Ruhm. Neben dem Apollo steht Gheirisophos aus Stein gebildetüt 
Paus. VIII, 53, 8. Der Apollo scheint also ein vergoldetes Holzbild gewesen 
zu sein, und der Stoff somit der hergebrachte für alte Götterbilder, während 
für das Bild des Künstlers, wo die WVahl frei stand, der Marmor den Vorzug 
52 erhielt. Da nun Pausanias den Künstler als einen Abkömmling der kretischen 
Daedaliden betrachtet, Dipoenos und Skyllis aber in gleicher Stellung sowohl 
durch Marmorarbeit berühmt wurden, als auch die kretische Kunst nach dem 
Peloponnes verpflanzten, so dürfen wir vielleicht annehmen, dass Gheirisophos 
etwa in gleicher Zeit von Kreta nach dem Peloponnes gewandert sei. Uebrigens 
liesse sich kaum etwas einwenden, wenn jemand den Namen des Künstlers als 
1) Paus.1I, 32.  2) leg. pr. Chr. 14, p. 61. 3) IX, 35, 
Stelle aus Philostr. vit. Apoll. III, 3  verbessern lasse, wie Müller 
vermag ich eben so wenig wie SiHig zu bestimmen. 4) de 1mm. I 
Müller Hdb. ä 86. 
(IM 
ÄI, I 
sich Lliese 
behauptet, 
1. 5)Vg1. 
wiefern 
 S. 353) 
781 Stepl
        

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