Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199170
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Bildhauer. 
Ausführung dem Einzelnen nicht mehr hinlängliche Ansprüche auf persönlichen 
Ruhm zu gewähren vermochte. Es scheint passend, bei dieser Gelegenheit noch 
einmal an eine früher ausführlich behandelte Streitfrage zu erinnern, die Frage 
über das Alter der Gruppe des Laokoon. Indern ich der Kürze wegen nach- 
drücklich auf das verweise, was Welcker in der zweiten Hälfte seines Aufsatzes 
über dieses Werk (Alt. Denkm. I, S. 341 flgdd.) ausführlich und schlagend dar- 
gelegt hat, wird auch schon die Erinnerung an unsere eigenen Erörterungen 
über die griechische Kunst in Rom genügen, um das Gewicht der früher auf- 
gestellten Behauptung, dass in der Zeit des Titus die geistige Kraft zur Erfin- 
dung eines solchen Werkes nicht mehr vorhanden gewesen sei, in seiner vollen 
Bedeutung klar werden zu lassen. 
 Dass aber unser Urtheil über das WVesen dieser letzten Periode der grie- 
chischen Kunst wenigstens in der Hauptsache nicht verfehlt sein wird, dafür 
giebt es nach meiner Ueberzeugung noch eine grosse innere Gewähr: eine 
Gewähr, welche ich hier zum Schluss nicht blos für diesen Abschnitt, sondern 
für die gesammte Geschichte der Künstler, oder zunächst Wenigstens der Bild- 
hauer, welche uns bisher beschäftigt haben, in Anspruch nehme. Sie liegt in 
520 dem naturgemässen Fortschreiten in der gesammten Entwickelung der griechi- 
schen Kunst vom ersten Anfange bis zu ihrem Untergange. Indem wir uns 
stets mit der möglichsten Unbefangenheit und Strenge an das hielten, was uns 
unsere Quellen darboten, um daraus das innere Wesen der einzelnen Erschei- 
nungen zu bestimmen, hat sich uns überall ganz ungesucht das Resultat er- 
geben, dass das Spätere sich stets mit einer inneren Nothwendigkeit aus dem 
Früheren entwickelte; und so gewaltig auch zuweilen der Fortschritt war, immer 
fand er den Boden schon vorbereitet, nirgends zeigten sich gewaltsame, unver- 
 rnittelte Uebergänge. Wie aber die Entwickelung in sich eine geregelte, wir 
können wohl sagen, organische war, so zeigte sie sich auch in ihrem Verhält- 
nisse zu der gesammten Geschichte des griechischen Geistes und Lebens: sie 
folgt ihr in der vollsten Harmonie und bleibt von Anfang bis zu Ende mit ihr 
in steter und inniger Wechselbeziehung. Wenn in diesem Einklange gewiss 
keine geringe Gewähr für die Richtigkeit der bisher gewonnenen allgemeinen 
Resultate liegt, so wird dieselbe ihr Gewicht auch für diese letzte Periode be- 
haupten. Denn blicken wir nur auf die vorhergehenden Zeiten der Kunst, blicken 
wir ferner auf die ganze Stellung, welche die Ueberreste des griechischen Geistes 
unter der Herrschaft der Römer einnahmen, so wird, was wir an den einzelnen 
Werken dieser Periode beobachtet haben, als die nothwendige Folge der früheren, 
als der nothwendige Schluss der gesammten Entwickelung der griechischen Kunst 
erscheinen.
        

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