Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199058
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Bildhauer. 
besteht, in Rom zu einer grossen Berühmtheit gelangt war. Die Studien des 
Arkesilaos würden sich demnach besonders auf eine grosse Feinheit und Sauber- 
keit der Durchführung gerichtet haben, Während in der ganzen Anlage sich mehr 
eine gesuchte Eleganz, als ein hoher Ernst und Strenge der Auffassung offenbart. 
602 Einer ganz anderen Richtung der Kunst muss der folgende Künstler an- 
gehört haben: 
Goponius machte die Statuen von vierzehn Nationen, welche bei dem 
Theater des Pompejus aufgestellt waren, wie Plinius aus Varro berichtet (86, 
41; vgl. Suet. Nero 416). Man hat bezweifeln wollen, dass diese Statuen für 
Pompejus gemacht seien, da der Porticus ad nationes bei dessen Theater nach 
Servius (ad Aen. VIlI, 721) erst von Augustus erbaut sei. Doch hat diese Nach- 
richt ihren Grund wohl nur in der Restauration pompejanischer Bauten durch 
Augustus nach einer Feuersbrunst. Vierzehn Nationen aber sind es gerade, 
über welche Pompejus nach Plutarch (Pomp. 45) triumphirte; und wir begegnen 
also hier zuerst den Statuen besiegter Barbarenvölker, wie sie als eines der eigen- 
 thürnlichsten Erzeugnisse echt römischer Kunst noch zu Trajans Zeit in hoher 
Vortrefflichkeit gebildet wurden. YVir dürfen daher auch nicht übersehen. dass es 
gerade ein Römer ist, welcher solche Barbarenstatuen arbeitet. Am meisten geeig- 
net, uns von dem Geiste dieser pompejanischen Werke eine klare Vorstellung zu 
geben, ist vielleicht die von Göttling Thusnelda genannte Statue, welche natür- 
lich durch diese Bemerkung nicht für ein Werk des Coponius erklärt werden soll. 
Durch kolossale Bildwerke sind aus der römischen Epoche zwei Künstler 
bekannt: 
Decius. „Auf dem Capitol werden zwei kolossale Köpfe (aus Erz) be- 
wundert, Welche der Gonsul P. Lentulus geweiht hatte: der eine ein Werk des 
Chares, der andere des Decius, welcher durch die Vergleichung in so weit besiegt 
wird, dass er als keineswegs vorzüglicher Künstler erscheint": Plin. 34, 44. 
Die letzten Worte stehen nach den Handschriften fest, und improbabilis „ei11 
keineswegs unlobenswerther Künstler" zu lesen, wie man vorgeschlagen hat, 
ist kein Grund, da ein römischer Künstler, auch abgesehen vom Geiste der Dar- 
stellung, selbst in Hinsicht der Technik des Erzgusses schwerlich mit einem 
Meister, wie Ghares, wetteifern durfte. Bewundert, wie es am Anfange heisst, 
konnte sein Werk trotzdem werden, wenn auch nicht wegen der künstlerischen 
 Vollendung, doch wegen seiner Kolossalität. Die Erwähnung des Lentulus macht 
eine Zeitbestimmung möglich: denn schwerlich ist ein anderer als P. Lentulus 
603 Spinther gemeint, welcher 697 d. St. Gonsul war und in den Besitz eines Werkes 
des Chares durch seine politische Thätigkeit in Rhodos gelangen konnte; vgl. 
Orelli Onom. Cic. s. v. Lentulus Spinther.  
Zenodoro s, der Künstler des neronischen Kolosses, des grössten im 
ganzen Alterthume, ist einzig aus Plinius (341, 45 sqq.) bekannt: „Alle Statuen 
der kolossalen Art besiegte an Massenhaftigkeit in unserem Zeitalter Zenodor: 
nachdem er einen Mercur für den gallischen Staat der Arverner um den Lohn 
von 400,000 Sestertien für zehn Jahre gemacht, und dort von seiner Kunst eine 
genügende Probe abgelegt hatte, Ward er nach Rom von Nero berufen, wo er 
den zum Bilde dieses Fürsten bestimmten Koloss von 110 Fuss Länge machte, 
welcher jetzt nach Verdammung der Laster jenes Fürsten der Verehrung des
        

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