Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1199047
griechische 
Kunst 
Zeit 
Herrschaft. 
liSGh en 
4-19 
gegengesetzt. Leider sind wir nicht im Stande, eine grössere Zahl von erhal- 
tenen Werken nach äusseren Zeugnissen der Schule des Pasiteles beizulegen. 
Doch werden einem Auge, welches sich die Eigenthümlichkeiten, namentlich 
der Gruppe des Menelaos, recht scharf eingeprägt hat, nicht selten Werke 
begegnen, welche in ihrer ganzen Behandlung' eine grosse Aehnlichkeit mit ihr 
verrathen und, ohne auf einen glänzenden Effect Anspruch zu machen, doch 
durch das sichtbare Streben nach Reinheit und Selbständigkeit vor der Masse 
auch guter Copien sich vortheilhaft auszeichnen. Für die weitere Entwickelung 
der Kunst in Rom war es auf jeden Fall von hoher Bedeutung, dass sich durch 
diese Schule eine wesentlich neue, mit keiner früheren in unmittelbarem Zu- 
sammenhange stehende Richtung Bahn brach. 
Dass diese Erscheinung nicht vereinzelt stand, sondern in dem ganzen 
(leiste der Zeit begründet sein musste, werden uns die Nachrichten über den 
folgenden Künstler, einen Zeitgenossen des Pasiteles, lehren. 
Arkesilaos. 
Die Zeit seiner Thätigkeit wird genau dadurch bestimmt, dass er für den 
von Gaesar 46 v. Ch. G. geweihten Tempel der Venus Genetrix das Bild der 
Göttin machte, Welches wegen der Eile des Gaesar schon vor der Vollendung 
(vielleicht im Modell) aufgestellt und geweiht ward. Ein zweites Götterbild, 
das der Felicitas, welches der dem Künstler befreundete L. Lucullus für 60,000 601 
Sestertien bei ihm bestellt hatte, blieb wegen des Todes Beider unvollendet: 
Plin. 35, 156. Da der bekanntere Lucull schon 56 v. Ch. G. nicht mehr lebte 
(Cic. de harusp. resp. c. 9. Vellei. II,  so kann wohl nur sein Sohn gemeint 
sein, welcher im Jahre 4-2 bei Philippi fiel, wenn wir auch nicht bestimmt 
wissen, ob er den Vornamen Lucius hatte. Ein Werk aus Marmor befand sich 
im Besitze des Varro: eine Löwin und geflügelte Amoren, die mit ihr spielen, 
indem einige sie gefesselt halten, andere sie aus einem Horne zu trinken zwingen, 
noch andere ihr Socken anlegen: alles aus einem Marmorblocke: Plin. 36, 41. 
Wahrscheinlich sind ihm auch die Kentauren, welche Nymphen trugen, beizu- 
legen, die Plinius (36, 33) als im Besitze des Asinius Pollio befindlich anführt. 
Denn dass hier die Handschriften auf die Namensform Arcesilas führen, ist 
gewiss kein hinlänglicher Grund, einen zweiten Künstler anzunehmen; und dass 
Plinius die WVerke im Besitz des Pollio und des Varro nicht an einer einzigen 
Stelle nennt, erklärt sich leicht aus der lockeren Anordnung seiner Excerpte  
gerade am Ende des Abschnittes über die Marmorbildner. 
Sein Ruhm beruhte nach Varro vornehmlich auf der Vortrefflichkeit seiner 
Modelle; und dieselben sollen von den Künstlern selbst oft um einen höheren 
Preis angekauft worden sein, als fertige Werke Anderer. Für das Gypsmodell 
eines Krater liess er sich z. B. von dem Bitter Octavius ein Talent bezahlen: 
Plin. 35, 155-156. Nur von einem einzigen Werke dürfen wir noch jetzt 
Nachbildungen zu besitzen vermuthen, sofern die als Genetrix bezeichnete Venus 
auf einer Münze der Sabina (Müll. u. Oest. Denkm. a. K. II, 24-, iig. 266) auf 
das Original des Arkesilaos zurückzuführen ist. Die mehrfachen Wiederholungen 
in Marmor (z. B. fig. 263 in Paris; andere im Vatican, in der Villa Borghese) 
zeigen wenigstens so viel, dass dieser Typus, dessen vorzüglichste Eigenthüm- 
lichkeit in einem dünnen, sich eng an den Körper anschliessenden Gewande
        

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