Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1198988
Die 
griechische 
Kunst 
Zeit 
mischen 
Herrsc 
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Verständniss der Natur in ihren reichen, aber ewig wechselnden Erscheinungen 
bereits die nöthige Befähigung mangelte; und dass dies in der That der Fall 
war, bestätigt sich uns denn auch theils durch die zu häufige Wiederkehr be- 
stimmter einzelner Formen und Motive, Welche an Manier grenzt, thcils durch 
vielfache Spuren der Unsicherheit in der Behandlung des Einzelnen. Betrachten 
wir indessen schliesslich das YVerk in der Gesammtheit aller seiner Vorzüge 
und ltlängel, so leuchtet selbst aus den Mängeln ein Verdienst hervor, welches 
in gewisser Beziehung immer als das höchste gelten muss: das Verdienst der 
Selbständigkeit. Wohl mag es noch gleichzeitig mit Archelaos Künstler gegeben 
haben, welche im engen Anschlusse an die besten Muster der älteren Zeit alle 
die im Einzelnen gerügten Mängel vermieden haben, deren Werke bei der Bein- 
heit der ursprünglichen Anlage durch eine grosse Freiheit und Leichtigkeit der 
Behandlung zu einer grösseren Abrundung und Vollendung gediehen scheinen. 
Aber diese Künstler sind doch immer, wenn auch im besten Sinne, Copisten 
und Nachahmer, denen die höchste, nemlich die geistige Schönheit ihres Werkes 
nicht als Eigenthum gehört. An dem Relief der Apotheose gewährt es dagegen 
bei längerer Betrachtung einen besonderen Reiz, den Künstler in seinem Streben 
und Ringen mit Schwierigkeiten zu beobachten, und den Gründen nachzugehen, 
welche ihn in der Anlage und Ausführung aller Einzelnheiten geleitet haben. 
Bei einem solchen Studium des Werkes aber, welches dem des Künstlers selbst 
verwandt ist, vermögen wir schliesslich aus den Fehlern nicht weniger, als aus 
den Verdiensten, noch reiche Belehrung zu schöpfen. 
Bei dem Zusammenhange, welchen wir zwischen der Apotheose, der Ta- 
bula Iliaca und den mit dieser verwandten Werken angenommen haben, würde 
es keineswegs unangemessen erscheinen können, wenn wir auch über diese 
hier ausführlich handelten, selbst wenn der Theodoros, von dessen räxvr; die 
Rede ist, nicht der Künstler, sondern nur der Grammatiker war, welcher die 
Disposition dieser Werke angegeben hatte. Es würden sich dabei noch manche 
Analogien mit der Apotheose herausstellen: sowohl äusserlich in der Anordnung 
in übereinanderstehenden Feldern, als hinsichtlich der geistigen Auffassung: 
so z. B. darin, dass der Ruhm Alexanders, der Schild mit der Schlacht bei 
Arbela, von den Figuren Europas und Asiens getragen wird, gerade wie die 
Zeit und die bewohnte Erde den Ruhm Homers bezeugen. Lehrreich würde 
namentlich auch eine genaue Untersuchung darüber sein, in wie weit, und 
unter welchen Modificationen in der Darstellung dereinzelnen Scenen schon 
vorhandene Compositionen aufgenommen worden sind. Auf jeden Fall haben 
jedoch diese Monumente eine höhere Wlichtigkeit vom Standpunkte der Litteratur-, 
als von dem der Kunstgeschichte; und es wird daher vortheilhafter sein, litte- 
rarische Erörterungen im grösseren Zusammenhange, als sie bis jetzt gegeben 
sind, abzuwarten, und erst dann auf ihrer Grundlage die Untersuchung der 
künstlerischen Fragen wieder aufzunehmen. 
Das nächste Jahrhundert, wie es uns überhaupt die dürftigsten Nachrichten 
über die Künstler bietet, giebt uns auch über die weitere Entwickelung der 
kleinasiatischen Kunst keinen directen Aufschluss. Erst aus der Zeit Hadrians 
sind uns einige Werke erhalten, welche auf die Existenz einer Kunstschule in 
Aphrodisias hindeuten, der Hauptstadt von Karien, wie wir oben vermutheten.
        

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