Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1198972
Bildhauer. 
allerdings darunter keine von der Art, dass sie für sich allein genügte, dem 
Künstler eine feste Stelle in der Entwickelungsgeschichte der Kunst anzuweisen. 
Indessen deuten sie alle in gleicher Weise auf eine verhältnissmässig späte Zeit, 
mindestens auf die Periode nach Alexander. Mit dem Ueberwiegen gelehrter 
Studien in derselben würde sich jene litterarisch-iohilosophische Auffassung der 
Apotheose des Homer allerdings leicht in Einklang bringen lassen. Doch wird 
einer Seits diese Geistesrichtungg; durch die Herrschaft der Römer keineswegs 
so plötzlich abgeschnitten, dass nicht auch unter der letzteren eine Gomposition, 
wie die unseres Reliefs, entstanden sein könnte. Anderer Seits steht dasselbe 
in den mehr künstlerischen Beziehungen, in der Erfindung und Durchführung 
des Einzelnen, keineswegs so hoch, wie wir es von der Meisterschaft der Dia- 
dochenperiode in der Beherrschung aller Mittel der künstlerischen Darstellung 
erwarten durften. Führen daher äussere Umstände uns auf einen Zusammen- 
 hang der Apotheose mit der Tabula lliaca und einem ganzen Cyclus von Dar- 
stellungen, die auf umfassenden und gelehrten mythologischen, historischen und 
litteraturgeschichtlichen Studien beruhen, so werden wir gewiss diese Umstände 
nicht von vornherein als reine Zufälligkeiten von der Hand weisen, sondern als 
den Schlüssel anerkennen dürfen, der uns ein in jeder Beziehung befriedigen- 
des Verständniss eröffnet.  Als ein YVerk aus den ersten Regierungsjahren 
des Tiberius und von der Hand eines kleinasiatischen Künstlers gewährt uns 
nun die Apotheose eine schöne Ergänzung dessen, was wir aus der Betrachtung 
des borghesischen Fechters über die noch aus der vorigen Periode herüber- 
ragende Entwickelung der kleinasiatischen Kunstlgeschlossen haben. Unser 
Relief kann freilich seinem Gegenstands nach nicht auf ein dramatisches Inter- 
esse Anspruch machen; und ohne eine lebhaft bewegte Handlung müssen auch 
die Figuren durchgängig in Haltung und Bewegung ruhig erscheinen. Dagegen 
ist in allen übrigen Beziehungen wenigstens das Streben dem der früheren 
Periode durchaus verwandt. Die ganze Composition beruht auf feiner und be- 
rechneter Ueberlegungr; sie ist reich an feinen Bezügen sowohl zwischen den 
einzelnen Figuren, als zwischen den Gruppen und grösseren Gliederungen. Die 
591 Durchführung verräth einen hohen Grad von Sorgfalt und Studium, und wenige 
Reliefs bieten uns eine so grosse Fülle von einzelnen Schönheiten. Freilich 
müssen wir dessen ungeachtet durchweg ein Schwinden der Kräfte anerkennen, 
namentlich in rein künstlerischer Hinsicht. Denn wenn auch schon früher ein 
reflectirendes Denken die ursprüngliche künstlerische Phantasie zu überwiegen 
anfing, so äusserte dasselbe seinen Einfluss doch mehr bei der Durchbildung, 
als bei der ersten Gonception der Idee, während in der Apotheose schon diese 
selbst auf einer, man möchte sagen, philosophischen Grundanschatiung beruht, 
welche nicht in künstlerischen Formen denkt, sondern zu ihren Gedanken erst 
diese Formen suchen muss. Eben so erkannten wir in der Erfindung des Ein- 
zelnen, wie in der gesarnmten Durchführung und Ausarbeitung schon in der 
Diadochenzeit mehr ein gründliches Studium, als eine feinfühlende Beobachtung. 
Aber dieses Studium ging doch überall auf die Natur zurück und bezweckte 
eine gründliche Erforschung sowohl ihrer eigenen, als der künstlerischen Gesetze. 
Indem dagegen der Künstler der Apotheose eine Menge von Einzelnheiten aus 
früheren Werken geradezu herüberninnnt, bekennt er damit, dass ihm zu dem
        

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