Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1198952
Bildhauer. 
beantwortete. S0 muss uns beim ersten Blicke die Eigenthümlichkeit der An- 
ordnung gleichsam in mehreren Stockwerken gar sehr auffallen. Aehnlich mag" 
die ältere Malerei verfahren sein; und Aehnliches finden wir auch'in den Vasen- 
malereien des ausgebildetsten Styls. Aus der früheren Zeit der Sculptur da- 
gegen wüsste ich nicht, was sich unserem Relief an die Seite setzen liesse. 
Vergleichungen bieten erst die Prachtcameen und Silbergefässe mit Darstellungen 
aus der Geschichte des Augustus und seiner Familie; und diese würden aller- 
dings die vorgeschlagene Zeitbestimmung unseres Reliefs vortrefflich bestätigen. 
Dass aber diese Gompositionsweise doch nicht schon etwas früher in Aufnahme 
gekommen sein könne, dürfen wir ohne vorgängige genaue Untersuchung der 
uns noch zugänglichen Thatsachen nicht behaupten. 
Gehen wir jetzt näher auf den Styl ein. Die Reliefs der guten griechi- 
schen Zeit halten es als Regel fest, dass die Figuren nicht nur auf eine ebene 
Grundfläche gleichmässig aufgesetzt werden, sondern dass mit dieser parallel 
eine obere Flüche gedacht werden muss, über welche auch bei der heftigsten 
Bewegung kein Theil einer dargestellten Figur herausragen darf. Selbst die 
fast rund ausgearbeiteten Figuren auf den Metopen der Tempel folgen diesem 
Gesetze. Finden wir aber ausnahmsweise, wie bei dem gewöhnlich als Kampf 
des Polydeukes und Lynkeus bezeichneten Relief der Villa Albani, dass die 
Grundfläche durchaus uneben gehalten ist, so zeigt sich gerade darin, welchen 
YVerth man auf die Ruhe in der oberen Fläche legte, indem man es vorzog, 
diejenigen Theile, welche stärker hervortreten sollten, lieber durch Vertiefung 
als (lurch Erhöhung zu heben. Das Werk des Archelaos ist nun freilich von 
der ungebundenen YVeise der römischen Reliefs, welche zuweilen mehr nach 
malerischen, als nach plastischen Principien angeordnet sind, noch weit ent- 
fernt; aber eben so entfernt ist es von der strengen Regel der älteren Kunst. 
Ich will hier nicht von der Unebenheit des Grundes sprechen, da diese zum 
grössten Theil auf Rechnung der besonderen Natur des Gegenstandes gesetzt 
588 werden kann. Eben so wenig soll das Streben geläugnet werden, den Figuren 
im Allgemeinen ein gleich hohes Relief zu geben. Aber von einer Berücksich- 
tigung einer einheitlichen oberen Fläche zeigt sich eigentlich keine Spur. Ja 
es scheint sogar dem Künstler überhaupt das Verständniss für dasjenige gefehlt 
zu haben, was, streng genommen, erst das Wesen des Reliefs ausmacht. Man 
möchte sagen: die älteren Künstler dachten sich ihre Figuren von vorn herein 
im Style des Reliefs; sie fühlten, dass eine naturgemässe Rundung wie statua- 
rische Bildung sie erheischt, durch die Forderungen des Reliefs geradezu aus- 
geschlossen ist; dass nicht das Relief nach den Bewegungen der Figuren, son- 
dern die Darstellung der Bewegungen nach den Gesetzen des Reliefs gestaltet 
werden müsse. In der Apotheose bemerken wir dagegen überall ein Bestreben, 
sich diesen Forderungen zu entziehen. Die einzelnen Figuren sind mit einer 
deutlichen Absichtlichkeit so angeordnet, dass keiner ihrer Theile über die im 
Allgemeinen angenommene Höhe herauszutreten überhaupt nöthig hat. Meist 
hat sie der Künstler mit der ganzen Breite der Brust nach aussen gewendet, 
um nur das sonst nothwendige Zusammendritngen und Verkürzen derselben zu 
vermeiden. In allen Theilen aber sind die Figuren so rund ausgearbeitet, wie 
rein statuarische Werke, so dass man nur den durch die Grundfläche abge-
        

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