Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1198779
Bildhauer. 
auf einer Reihe von Götterbildern im Porticus der Octavia: nicht weniger sind 
in Griechenland selbst seine Söhne Timokles und Timarchides, ferner Eucheir 
und Eubulides gerade durch ihre Götterbilder bekannt geworden; und, wenn 
ich richtig vermuthet habe, war auch das Bild des höchsten römischen Gottes, 
des capitolinischen Juppiter, das Werk des Atheners Apollonios. 
Ist sonach die Verwandtschaft der alt- und neu-attischen Kunst im All- 
gemeinen als eine sichere Thatsache anzunehmen, so bleibt nur zu untersuchen, 
bis zu Welchem Grade sich dieselbe im Einzelnen verfolgen lässt. Es ist schon 
früher der auffallenden Erscheinung gedacht worden, dass wir von attischen 
Künstlern während der Periode der Diadochen durchaus keine Nachricht 
haben; und da wir diesen Mangel doch nicht rein auf Rechnung des Zufalls 
werden setzen dürfen, so bleibt uns nur die Annahme übrig, dass damals die 
attische Kunst, wenn sie auch keineswegs gänzlich untergegangen war, doch 
561 in ihrer Entwicklung völlig still gestanden habe. Dass nun nach einer Unter- 
brechung von mehr als einem Jahrhundert die wiederervsrachte Regsamkeit an 
den früher abgerissenen Faden unmittelbar wieder angeknüpft habe, und die 
neueren Leistungen eine directe Fortsetzung oder eine weitere Ausbildung der 
früher geltenden Principien darstellen sollten, ist gewiss von vornherein unwahr- 
scheinlich; und die uns noch zugänglichen Quellen leiten uns in der That auch 
auf einen ganz andern Weg. Ich beginne damit, dass Timokles und Timar- 
chides an einem Bilde der Athene zu Elatea den Schild nach dem der Parthenos 
des Phidias copirten; sowie, dass bei der Wegführung des praxitelischen Eros 
aus Thespiae nach Rom die Gopie eines Atheners Menodoros an seine Stelle 
gesetzt wurde. Unter den erhaltenen Werken ist der Herakles des Glgjkon die 
Wiederholung eines älteren Typus: der Torso im Vatican, so verschiedenartig 
sonst auch die Ansichten über seine Restauration sind, wird doch allgemein 
nicht für eine durchaus originale Erfindung des Apollonios gehalten; der soge- 
nannte Germanicus ist einer Statue des Hermes nachgebildet, die mediceische 
Venus der knidischen wenigstens verwandt; die Karyatiden des Diogenes sind 
geradezu Copien derer vom Erechtheum. Auf dem schönen Gefässe des Salpion 
begegnen wir mehreren Figuren, welche zu den bekanntesten in bacchischen 
Vorstellungen gehören, und doch in diese gewiss nicht erst aus dem Werke 
des Salpion aufgenommen sind. Sosibios endlich affectirt in einigen Gestalten 
sogar den Styl der Kunst vor Phidias. Bei den wenigen noch übrigen Werken 
ist es vielleicht nur Zufall, wenn wir sie nicht direct auf ältere Muster zurück- 
führen können: durchaus neu und eigenthümlich in der Erfindung erscheinen 
auch sie nicht. 
Sonach bezeichnet auf dem Gebiete des poetischkünstlerischen Schaffens 
die neu-attische Kunst nicht einen weiteren Fortschritt in der Entwickelung, 
sondern sie befindet sich in vollständiger Abhnägigkeit von dem, was früher 
geleistet worden war; Selbständigkeit und Originalität der Erfindung, wenigstens 
im höheren Sinne, ist nicht mehr vorhanden. Damit sollen indessen die Künstler 
der eben betrachteten Werke keineswegs zu blossen Gopisten herabgesetzt 
werden. Sie schlossen sich älteren Vorbildern in der Gesammtidee und ge- 
562 wohnlich auch in allen wesentlichen Motiven an, ohne jedoch gänzlich darauf 
zu verzichten, Einzelnes selbst so weit zu modificiren, dass dadurch der geistige
        

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