Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1198626
griechische 
Kunst zur Zeit 
der römischen 
Herrschaft. 
377 
nicht gerade im Dienste desMetellus, dessen Kunstliebe durch seinen Auf- 
enthalt in Griechenland erweckt sein mochte? Die „völlig unstatthafte Ansicht", 
dass die Werke im Porticus der Octavia zur Zeit des Baues entstanden seien, 540 
ist also vielmehr die einfachste und natürlichste. Es fragt sich also nur noch, 
in welcher Weise wir zwischen den getrennten Gliedern einer Künstlerfamilie 
die Verbindung herstellen sollen. Wir keimen aus Pausanias: Polykles, den 
Schüler des Stadieus, und seine Söhne Timokles und Timarchides; aus Plinius: 
Timarchides und Polykles, welcher mit Dionysios an einer Statue gemeinsam 
arbeitet. Wäre dieser Dionysios der Sohn des von Pausanias erwähnten Ti- 
marchides, des Sohnes des Polykles, und Polykles bei Plinius der Schüler des 
Stadieus, so müssten Grossvater und Enkel gemeinsam gearbeitet haben, was 
nicht wahrscheinlich ist. Wir müssen demnach zwei Polykles oder zwei Ti- 
marchides annehmen, also: 
Polykles Timarchides 
Timokles. Timarchides Polykles u. Dionysios 
Polykles u. Dionysios. Timokles. Timarchides. 
Da die Söhne des Polykles immer gemeinsam gearbeitet zu haben scheinen, 
Timarchides aber von Plinius als Künstler einer Apollostatue allein genannt 
wird, so werden wir dem zweiten Schema den Vorzug geben dürfen. Wenn 
endlich Bergk behauptet, dass man „auf keinen Fall die Lesart des God. Bamb. 
idem Polycles et Dionysius Timarchidis iilius (für filii) billigen dürfe," so sehe 
 ich auch dafür durchaus keinen Grund. Wäre Polykles wirklich des Timarchides 
Sohn gewesen, so würde er wahrscheinlich diesen, nicht den Stadieus zum 
Lehrer gehabt haben. Folgen wir dagegen der Bamberger Handschrift, was 
immer rathsam, wo es möglich ist, so ergiebt sich etwa folgendes Verhältniss: 
Polykles, des Stadieus Schüler, mochte dem Timarchides, welcher neben ihm 
für Rom arbeitet, nahe verwandt, sein Bruder, Vetter oder Oheim, sein, so dass 
es nicht auffallen kann, wenn sein eigener Sohn denselben Namen führt, er 
selbst aber mit Dionysios, dem Sohne seines Verwandten, an einem und dem- 
selben Werke beschäftigt ist. Dass er endlich diesen und nicht seine eigenen 
Söhne zu Gehülfen hat, erklärt sich durch die Annahme, dass die letzteren 
Griechenland nicht verliessen, wo in der That sich alle ihre namentlich be- 
kannten Werke befanden. 
Der Uebersicht wegen wiederholen wir das Verzeichniss der Werke jedes 
einzelnen: 
Dem älteren Polykles der 102ten Olympiade haben wir sicher nur eine 541 
Statue des Alkibiades beilegen können. 
Der jüngere Polykles, des Stadieus Schüler, arbeitete mit Dionysios den 
Juppiter, für sich allein eine Juno im Porticus der Octavia, ferner die Sieger- 
statue des Pankratiastenknaben Amyntas. Sein Werk war Wahrscheinlich auch 
der vorzügliche Hermaphrodit, von welchem Plinius (34, 80) spricht. Denn das 
weichlich Ueppige ähnlicher Bildungen entspricht mehr der Zeit nach, als vor 
Skopas und Praxiteles, welche zuerst die Aphrodite zu entkleiden wagten. Ob 
freilich eine der noch erhaltenen Statuen auf das Vorbild des Polykles zurück- 
zuführen ist, und welche unter ihnen, sind wir zu bestimmen ausser Stande.
        

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