Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1198614
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Die 
Bildhauer. 
des achaeischen Namens zu verringern; und so mochte damals Tritaea, welches 
nicht an der Küste, sondern gerade an der Grenze Arkadiens lag, diesem Lande 
von den Römern zugetheilt worden sein, bis es später Augustus aus politischen 
Gründen anderer Art unter die IoIerrschaft von Patrae stellte: Paus. VII, 22, 6; 
vgl. 18, 8. Die Bezeichnung Tritaea's als einer arkadischen Stadt bildet also 
mindestens kein Hinderniss, Timokles und Timarchides für die Söhne des 
jüngeren Polykles zu halten. 
Auf diesem Punkte angekommen, können wir uns der Vermuthung nicht 
entziehen, dass die Werke des Polykles, Dionysios und Timarchides ursprüng- 
lich für die Gebäude im Porticus der Octavia gearbeitet wurden, in Welchen sie 
zu Plinius Zeit noch standen, da ihre Erbauung und die Zeit des jüngeren 
Polykles gerade zusammentreffen. Dagegen behauptet Bergk: „Alle diese Künstler 
bis ins Jahr der Stadt Rom 605 herunterzurücken,    so dass sie jene Bild- 
säulen in Rom während des angeblich um jene Zeit statttindenden Tempel- 
baues errichtet hatten, ist eine völlig unstatthafte Ansicht; denn alsdann würde 
man auch annehmen müssen, dass jener Timarchides, der Vater des Polykles 
und Dionysios, beim Bau des Apollotempels im J. 323 die Statue des Apollo 
539 Citharoedus verfertigt habe." Die letzte Folgerung kann ich nicht anders als 
 durchaus unlogisch nennen. Denn es fehlt die Voraussetzung, dass wir einen 
Timarchides durch andere Zeugnisse eben so als im Jahr 323 lebend nach- 
weisen können, wie wir aus Plinius einen Polykles aus O1. 156, d. i. nahezu 605 
der Stadt, kennen. Hinsichtlich des „angeblichen" Tempelbaues hat aber Bergk 
die folgenden Zeugnisse der Alten übersehen: Vellei. I, 11 hic est Metellus 
Macedonicus, qui porticus, quae fuere circumdatae duabus aedibus sine in- 
scriptione positis, quae nunc Octaviae porticibus ambiuntur, fecerat; und etwas 
weiter: hic idem primus omnium Romae aedem ex marmore in iis ipsis monu- 
mentis molitus; ferner Plin. 36, 40 Pasiteles Iovem fecit eboreum in Metelli 
aede, qua campus petitur; endlich Vitruv. III, 2 in porticu Metelli (aedes) Iovis 
Statoris Hermodi, wo mit vollem Rechte der Name des Hermodoros hergestellt 
worden ist, desselben, welcher um dieselbe Zeit, 614 d. St, den benachbarten 
Marstempel für Brutus Callaecus baute (vgl. Hermodoros unter den Architekten). 
Der Tempelbau findet also nicht angeblich zur Zeit des Metellus, wenige Jahre 
nach O1. 156, statt; und wäre damals auch nur der Porticus um die Tempel 
herum errichtet, so könnte es keineswegs auftallen, wenn bei dieser Gelegenheit 
auch die Tempel mit neuen Statuen geschmückt worden wären. Benutzte aber 
Metellus einen griechischen Architekten, den er vielleicht selbst aus Griechen- 
land nach Rom gebracht hatte, den Hermodoros (von Sauras und Batrachos 
will ich hier schweigen), so konnte er eben so wohl auch griechische Bild- 
hauer in seinen Dienst genommen haben, und dies erscheint vielleicht noch 
wahrscheinlicher, wenn wir die Frage zu beantworten suchen, warum Plinius 
gerade die lööste Olympiade als Epoche machend in der Kunst bezeichnet. In 
dieselbe fällt nemlich das Jahr 600 der Stadt Rom, und dieses mochte Plinius 
in seinen Quellen als den Zeitpunkt angegeben finden, in welchem die grie- 
chische Kunst in Rom einen vorwiegenden Einfluss gewann. Die Künstler, 
welche Plinius in dieser Epoche anführt, sind also aller Wahrscheinlichkeit nach 
diejenigen, welche diesen Einfluss vornehmlich geltend machten; und warum
        

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