Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1198583
Die 
griechische 
Kunst 
Zeit 
römischen 
Herrschaft. 
373 
Einflusses, sondern ist durchaus italisch oder etruskisch, in noch weit be- 
stimmterer Weise, als es nach der Abbildung erscheint 1). Aus diesem Grunde 
ist die Notiz wichtig, dass sie in das Kirchefsche Museum aus der Gualterfschen 
Sammlung in Orvieto gekommen ist, also wahrscheinlich aus Etrurien stammt. 
Wenn wir daher in den verschiedenen Theilen der ücoronischen Giste die gleich- 
zeitige Ausübung einer griechischen und einer italischen Kunst in Rom zu er- 
kennen glaubten, deren eine ihre Wurzeln in Campanien, die andere in Etrurien 
haben mochte, so erkennen wir ein ganz ähnliches Verhältniss in den ziemlich 
gleichzeitigen Werken des Ovius und des Pomponius, von denen wir ebenfalls 
nicht ohne Grund vermuthen durften, dass das eine südlich, das andere nördlich 
von Rom entstanden sei. 
Die eben ausgesprochene Ansicht fester zu begründen, fehlen uns leider 
weitere Thatsachen, Künstler wenigstens von dieser Klasse sind für jetzt nicht 
weiter bekannt, wenn nicht vielleicht  
G. Rupius oder Rufius hierher gehört. Von ihm Findet sich in Perugia 
eine sitzende Figur aus gebrannter Erde mit der Inschrift: 
G RVPIVS" S' FINXIT 
Vermiglioli Iscr. Perug. tav. VIII; vgl. Abeken Mittelitalien, S. 369, 3. Die Figur 
stellt einen sitzenden jungen Mann mit einer Löwenhaut bekleidet vor, für 
welchen Passeri 2) die Benennung Lar vorgeschlagen hat. Der Styl hat, der 
Abbildung nach zu urtheilen, noch viel von national-etruskischem Charakter 
bewahrt, gehört aber schon der freieren Entwickelung desselben an. 
Calenus Canoleius gehört vielleicht, streng genommen, nicht an diese 
Stelle. Wir besitzen von ihm eine Schale aus gebranntem Thone mit schwarzem 
Firniss, also ein Werk, welches der Technik nach richtiger bei Gelegenheit der 
gemalten Vasen zu behandeln wäre. Nur unterscheidet es sich von diesen da- 535 
durch, dass es mit Reliefs geziert ist: unten auf der Kreisfläche des Bodens 
sehen wir in stark hervorspringender Arbeit die Büste eines bärtigen  be- 
kleideten Silens, von einer Gesichtsbildung, wie sie dem Silenopappos eigen 
zu sein pflegt. Wie es scheint, hält er die Doppelflöte in den Händen. Um 
den Rand des Bodens läuft die Inschrift: 
GAIIENVS   GANOlIEIVS    FECIT. 
Darauf folgt an der inneren Wand der Schale ein Kranz von Schlingpflanzen; 
oberwärts ist dieselbe vielfach gegliedert und in architektonischer Weise mit 
Perlen, Wellenlinien und Eierstab verziert: Gab. Durand n. 1484. Die Form 
des L verschwindet in lateinischen Inschriften gegen das Ende des sechsten 
Jahrhunderts der Stadt. Der italische Ursprung dieses Gefässes (es ist sicheren 
Nachrichten zufolge in Vulci gefunden) verräth sich hauptsächlich in der Form  
und den vielfach getheilten, scharfkantigen Gliederungen, welche ein Grieche 
einfacher und mehr aus einem Gusse gebildet haben würde. Der Silen da- 
gegen in seinem ganzen Ausdruck entspricht durchaus der griechischen Auf- 
fassung, so dass man versucht sein kann anzunehmen, der Künstler habe ein- 
fach ein kleines Erzbild copirt von der Art der clipeati, wie sie noch jetzt vor- 
Dio 
1) Mus. Kirch. aer. 
Lare, Perug. 1774. 
di 
1111 
simulacro 
argillaceo, 
rappresentante 
1111
        

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