Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1198559
Bildhauer. 
Volcanius von Veii. Denn von ihm heisst es: „Ausserdem soll diese 
Kunst in Italien und besonders in Etrurien ausgebildet, und Volcanius aus 
Veii von Tarquinius Priscus berufen worden sein, um ihm das Bild des Juppiter 
für das Gapitol zu verdingen: man sagt, es sei aus Thon gebildet gewesen, 
weshalb man es roth anzustreichen (miniari) pflegte; aus Thon gleichfalls die 
Viergespanne auf dem Giebel dieses Tempels, welche wir öfters erwähnt haben. 
Derselbe Künstler habe auch den Hercules gemacht, der noch heute in Rom 
530 nach dem Stoffe (fictilis?) benannt wird. Denn solcher Art waren damals die 
angesehensten Götterbilder; und wir schämen uns nicht derjenigen, welche sie 
in dieser Gestalt verehrten; denn aus Gold und Silber machten sie nicht ein- 
mal etwas für den Dienst der Götter": 35, 157. Der Name des Künstlers und 
seiner Vaterstadt ist erst jetzt mit einiger Sicherheit aus der Bamberger Hand- 
schrift, et uulcaniueis accitum, hergestellt werden, während früher Turianus aus 
Fregellae oder Fregenae seine Stelle einnahm. Dass er aus Veii stammte, 
stimmt aber namentlich mit anderen Sagen über die Gründung des capitolinischen 
Tempels vortrefflich überein. Erinnert nun zwar auch hier der Name des Künst- 
lers wieder an den kunstfertigen Gott, so haben wir es doch gewiss im Grunde 
mit historischen Thatsachen zu thun. Zweifelhafter ist dies hinsichtlich des 
Mamu rius Veturius, welcher nach dem Muster des einen vom Himmel 
gefallenen Ancile mehrere andere bis zum Verwechseln ähnliche für König Numa 
gemacht haben sollte. Varro de l. l. VI, 6; Festus s. v. Mamuri Veturi; Ovid. 
fast. III, 383; Plut. Numa 13. Die Ueberlieferung, er habe sich als Lohn aus- 
gebeten, dass sein Name am Ende der saliarischen Gesänge regelmässig init- 
genannt werde, muss hier den Verdacht erregen, dass eben aus dieser Schluss- 
formel die Sage von dem Künstler entstanden sei. WVar aber dieses einmal 
geschehen, so dürfen wir uns nicht wundern, wenn man später in Rom auch 
noch eine Erzstatue des Vertumnus als sein Werk zeigte: Prop. IV, 2, nament- 
lich am Ende. 
Kehren wir also wieder zu Plinius zurück, so führt uns derselbe durch 
Damophilos und G0 rgaso s in die vollkommen historische Zeit. Diese 
Künstler Waren "Plasten von grossem Rufe und zugleich Maler; und hatten 
den Tempel der Ceres zu Rom beim Circus Maximus mit beiden Arten ihrer 
Kunst geschmückt; durch eine griechische Inschrift in Versen bekundeten sie, 
dass zur Rechten Damophilos, zur Linken Gorgasos gearbeitet habe. Vor diesem 
Tempel War nach dem Zeugnisse des Varro Alles an den (römischen) Tempeln 
tuscanisch. Nach demselben Gewährsmanne Wurden bei der Restauration des 
Tempels herausgeschnittene Mauerkrusten in geränderten Tafeln eingefasst, 
und die Bilder aus dem Giebel ebenfalls zerstreut": 35, 154:. Der Tempel der 
Ceres ward von A. Postumius im Jahre 258 d. St. gelobt und von Cassius 261 
(493 v. Ch. O1. 71, 44) geweiht: Dionys. VI, 17, 94-; Tacit. ann. II, 49. Die 
Künstler müssten demnach älter als Phidias und Polygnot gewesen sein. Etwa 
zehn Olympiaden später lebt Demophilus von Himera, nach Einigen Lehrer des 
Zeuxis, wodurch man zu der Annahme veranlasst werden könnte, dieser und 
der Genosse des Gorgasos seien eine Person und die Gemälde und plastischen 
Arbeiten im Tempel der Oeres erst längere Zeit nach der Erbauung ausgeführt 
worden. Doch lässt sich darüber nichts Bestimmtes entscheiden.
        

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