Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195119
Die 
Bild] 
1311611 
Feuchtigkeit des Bodens unschädlich zu machen. Es kann nicht zweifelhaft 
sein, auf welchen der nach einander errichteten Tempel diese Nachricht zu be- 
ziehen sei. Der älteste der Autochthonen Koresos und Ephesos 1) gehört der 
durchaus mythischen Zeit an. Der Bau nach dem Brande des Herostratos war 
nicht ein Neubau, sondern eine Wiederherstellung 9). Es bleibt also nur der- 
5-34 jenige übrig, welcher unter der Leitung des Chersiphron, wie Plinius sagt, von 
ganz Asien, wie richtiger Dionys von Halikarnass, von den Ioniern Kleinasiens 
errichtet Ward 3). Wenn nun Herodot 4) erzählt, die meisten Säulen rührten von 
Kroesus her, so erklärt sich dieser Umstand leicht so, dass der Tempel von 
den Ioniern begonnen ward, ehe sie mit Kroesus in Krieg geriethen, dieser aber 
nach ihrer Besiegung den Bau fortführte. Es dürfte freilich bei der Heiligkeit 
des Zwecks auch nicht auffallen, wenn etwa Kroesus vor Beginn des Krieges 
die Säulen den Ioniern zum Geschenk gemacht hätte. Doch würden wir auch 
hieraus nichts bestimmtes über den Beginn des Baues folgern können, wüssten 
wir nicht, dass das Gebälk auf den Säulen von Metagenes, dem Sohne des 
ersten Architekten Chersiphron, errichtet wurde 5), woraus sich ergiebt, dass der 
Tempel kaum so lange vor Kroesus begonnen sein konnte, als der Vater im 
Alter vom Sohne entfernt steht, d. i. also etwa 01.50. 
Sonach treffen alle Bestimmungen auf die Zeit zwischen Ol. 50-60 zu- 
sammen, und damals also wird Rhoekos in Gemeinschaft mit Theodoros ge- 
arbeitet haben, vielleicht so, dass er als der ältere ursprünglich der Lehrer des 
zweiten war und darum später aus Missverständniss für den Vater gehalten 
ward. Ebenso konnte Theodoros aber auch mit seinem Vater Telekles an einem 
'Werke gemeinschaftlich thätig gewesen sein, und die Angabe des Diodor und 
Athenagoras würde demnach wenigstens theilweise auf Wahrheit beruhen. Für 
die angegebene Zeit passt endlich auch die Verbindung mit Sinilis, dem Zeit- 
genossen der Schüler des Dipoenos und Skyllis, welche schon früher berührt 
worden ist. 
Von den NVerken des Rhoekos und Theodoros ist ein Theil schon in den 
bisherigen Erörterungen erwähnt worden. Zur bessern Uebersicht wird aber 
auch eine hViederholung in systematischer Anordnung nicht überflüssig sein. 
Wir beginnen mit den architektonischen: 
1) Das lemnische Labyrinth bauten sie in Gemeinschaft mit Smilis. 
Es befanden sich an demselben 150 Säulen, die bei der Bearbeitung vermittelst 
eines Mechanismus gedreht wurden, zu dessen Bewegung die Kraft eines Knaben 
35 hinreichte. Zu Plinius Zeit waren nur noch wenige Ueberreste vorhanden 
(Plin. 36, 90). 
2) Am Heraeon zu Samos war nach Herodot (III, 60) Rhoekos der erste 
Architekt. Vitruv (VII, praef. ä12) aber erzählt, dass Theodoros über diesen 
Tempel geschrieben habe. Er wird also wenigstens bei dem Bau thätig ge- 
wesen sein. Der Tempel war von der dorischen Ordnung, das Bild von Smilis, 
siehe oben. 
1) Pans. 
Hal. IV, 
12. 
VII 
 
E) Strab 
Vitr. V 
XIV, G40. 
 praef. ä 
Plin. 16 
16. coll. 
 m 
12.
        

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