Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1198471
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Bildhauer. 
Theile der unterscheidende Charakter dieser Periode der Kunst. Denn indem 
wir uns bei der Beschauung eines Kunstwerkes neben dem, was uns dasselbe 
an sich darbietet, auch noch der Person des Künstlers erinnern sollen, geht 
uns jener Eindruck der Unmittelbarkeit verloren, welchen Wir als das Kenn- 
zeichen der YVerke früherer Perioden erkannt haben. KVir finden nicht mehr 
eine Schöpfung, welche mit einer inneren Nothwendigkeit, wie aus sich selbst, 
aus ihrer Grundidee herausgewachsen erscheint, sondern etwas durch Kunst, 
sei es auch mit noch so feinfühlendem Sinne Gemachtes.  Erinnern wir uns 
jedoch an die Gefahren, welche der Kunst um das Ende der vorigen Periode 
drohten, an die rein üusserliche und sinnliche Auffassung; der Natur, welche zu 
völliger Ausartung führen zu müssen schien, so können wir dem, was die vor- 
liegende Periode geleistet, nicht nur unsere Anerkennung nicht versagen, sondern 
müssen sogar unsere Bewunderung darüber aussprechen, mit wie sicherer Hand 
man durch die lüuternde Thätigkeit einer reflectirenden Kritik der Entwickelung 
jener verderblichen Keime Einhalt zu thun verstand, ohne doch dadurch in eine 
blinde, nach blosser Restauration der Vergangenheit trachtende Reaction zu 
verfallen. Wohl scheint man, auf einzelnen Gebieten, namentlich dem der eigent- 
lich religiösen Kunst, freiwillig; auf Selbständigkeit verzichtet und sich eng 
 an das Alte angeschlossen zu haben, indem man fühlte, dass, um es durch 
519 Neues zu ersetzen, der natürliche Sinn verloren gegangen War. Ueberall aber, 
wo die neue Zeit neue Ansprüche geltend macht, befriedigt dieselben die Kunst 
in durchaus originaler, selbständiger Weise; und je höher der Reichthum und 
der Glanz des Lebens steigen, um so höher spannt auch die Kunst alle ihre 
Kräfte, um durch dieselben Eigenschaften auch auf dem Felde ihrer Thätigkeit 
alles Frühere zu überbieten. So gelangte man in der That an das Ziel, bis zu 
welchem vorzudringen der berechnenden Schärfe des menschlichen Geistes über- 
haupt möglich war, ohne in willkürliche Manier und barocke Phantasterei zu ver- 
fallen. Ob die Kunst im Stande gewesen sein würde, sich lange auf dieser Grenz- 
linie zu erhalten, wird niemand leicht zu entscheiden wagen. Die Geschichte 
selbst giebt uns keine Antwort darüber. Denn am Ende dieser Periode verliert 
Griechenland seine Unabhängigkeit vollständig, und eben so fallen nach und 
nach die Königreiche, in welchen griechisches Leben Eingang gefunden hatte, 
 durch ein unabänderliches Geschick der erobernden Weltmacht Rom zum Opfer. 
Zwar fand nun die Kunst an dem Sieger einen neuen Beschützer. Aber auf 
einen fremden Boden verpflanzt, konnte sie natürlich in ihrer weiteren Ent- 
wickelung nicht ununterbrochen fortschreiten, sondern musste zunächst den be- 
sonderen Verhältnissen ihrer neuen Umgebung gerecht zu werden sich bestreben. 
Anhang. 
Der Untergang der laolitischen Selbständigkeit Griechenlands bildet in 
der Geschichte der Kunst hauptsächlich darum einen scharfen Abschnitt, weil 
mit ihm der hervorragendste Theil der Kunstübung aus dem Heimathlande der 
Künstler nach Italien übersiedelt. In Griechenland selbst finden wir aus der 
nachfolgenden Zeit fast nur einige Inschriften wenig bekannter Künstler. Die
        

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