Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1198451
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Bildhauer. 
Die 
schiedenen Arten des Verfahrens noch von früher her in binlanglichem Maasse 
vorhanden sein, Man verstand es noch unter Antiocbos IV, den olympischen 
Zeus des Phidias in Stoff und Form getreu nachzubilden. Im Marmor führte 
man die complicirtesten Gruppen aus. Dass der Erzguss nicht, wie man aus 
Plinius schliessen könnte, mit der 121sten Olympiade aufhörte, haben wir an 
vielen einzelnen Werken gesehen, deren eines, der reuige Athamas des Aristo- 
nidas, sogar eine besondere Kenntniss der Mischungsverbältnisse verschiedener 
Metalle verräth. Dagegen zeigt sich in der besonderen Anwendung technischer 
 Mittel eine viel gesucbtere Absicbtlicbkeit, als früher. Wir haben gewiss nicht 
mit Unrecht die Ausführung des sterbenden Galliers als meisterhaft anerkannt; 
und allerdings strebt in dieser Statue die Technik überall, sich den besonderen 
Forderungen des Gegenstandes anzuschmiegen. Die Unbefangenheit jedoch, 
welche sich bei früheren Meistern wohl zuweilen in einer kleinen Vernach- 
lässigung von Nebendingen verräth, dafür aber durch die hohe Vollendung alles 
Wesentlichen reiche Entschädigung gewährt, finden wir an dieser Statue nicht. 
XVir können sagen, dass der Künstler sich nirgends vergessen, sondern bei 
jeder Einzelnheit mit feiner Ueberlegung berechnet" hat, durch welche Mittel er 
516 seine Zwecke am sichersten erreichen möchte. Indessen, wenn wir auch diese 
 Absicht bemerken, dürfen wir doch den Künstler von dem Vorwurfe freisprechen, 
dass er den Beschauer durch technische Meisterschaft habe blenden wollen. 
Nicht ganz so günstig vermochten wir über den Laokoon zu urtheilen. Wir 
mussten zugeben, dass zwar dieses YVerl; an sich einen hoben Grad technischer 
Meisterschaft bedingt, dass aber die Künstler gerade durch die absichtlich von 
ihnen gewählte Art der Behandlung uns diese Meisterschaft noch mehr em- 
piinden lassen wollen, als das Werk selbst es erfordert. S0 hat hier die Technik 
schon einen eigenen, selbständigen Zweck, der indessen neben anderen Zwecken 
noch in einigermassen bescheidener Weise hervortritt. Dass dies aber keines- 
wegs immer der Fall war, lehrt der eiserne Herakles des Alkon, bei dessen 
Ausführung der Künstler gewissermassen als ein Nebenbuhler des Heros in der 
Ueberwindung unsäglicber Mühen gelten wollte. Nehmen wir dazu, dass wahr- 
scheinlich in diese Periode die sogenannten Kleinkünstler, Myrmekides und 
Kallikrates gehören, welche ihren Rubin in Arbeiten suchten, deren einzelne 
Theile mit blossem Auge kaum zu erkennen waren, so sind wir endlich auf 
dem Punkte angekommen, wo die ganze Kunst in technischen Spitzfindigkeiten 
aufgegangen ist. YVir haben hier also ganz dieselben Erscheinungen, welche 
auf dem Felde der Poesie unter den Alexandrinern die Metrik darbietet: man 
übt die einfachen alten Metra in guter, ja gesteigerter und gesuchter Reinheit, 
erfindet einzelne neue gekünstelte Maasse und verliert sich endlich in die 
Spielereien der rsxvorcaiyvßa, um durch längere oder kürzere Versreihen be- 
stimmte Figuren, Flügel, Altäre, Aexte u. a. darzustellen. 
Wollen wir diese Vergleicbungen mit Erscheinungen der Litteratur auch 
auf die übrigen Gebiete der künstlerischen Tbätigkeit ausdehnen, so finden wir 
hier Analogien von fast noch schlagenderer Art. Die ganze Litteratur ist durch- 
drungen von grammatischen, rhetorischen, realwissenschaftlichen Studien. 
Nirgends finden wir eine eigentlich geniale Sch-öpferkraft, überall dagegen das 
Streben, dieselbe durch gelehrte Forschung zu ersetzen. Das Gelehrte, Schwierige,
        

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