Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1198353
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Bildhauer. 
Werken sah Pausanias (V, 17, 4) das vergoldete Bild eines sitzenden Knaben 
im Heraeum zu Olympia; und Plinius (34, 84) rühmt als vortrefflich einen 
Knaben, Welcher eine Gans würgt, d. h. um den Hals gepackt hat: denn wahr- 
scheinlich ist die in mehreren Wiederholungen vorkommende Gruppe des Knaben, 
501 Welcher eine Gans mit Gewalt zurückzuhalten strebt, auf des Boäthos Original 
zurückzuführenl). Endlich haben wir noch Kunde von dem Bilde eines As- 
klepios als Knaben durch die Epigramme einer in den Trajansthermen zu Rom 
gefundenen Basis. Es ward nicht zur Zeit des Künstlers, sondern später dem 
Gotte von einem Arzte Nikomedes aus Smyrna geweiht: G. I. Gr. n. 5674-. 
Anall. II, p. 3841, n. 9 u. 10. Die drei statuarischen Werke des Boethos, von 
welchen Wir etwas wissen, sind also sämmtlich Kinderiiguren. 
Menodotos und Diodotos sind zuerst von Winckelniann (YVerke VI, 1, 
S. 38) erwähnt worden: „Zu Rom war im sechszehnten Jahrhunderte ein Her- 
cules von zween Meistern gearbeitet, wie eine Inschrift, welche an dieser Statue 
stand, anzeiget; ich fand dieselbe in einem Plinius, Basler Ausgabe von 1525, 
mit geschriebenen Anmerkungen von Fulvius Ursinus und Barthol. Aegius, in 
der Bibliothek des Herrn von Stosch zu Florenz. Die Inschrift ist folgende: 
MHNOAOTOZ KAI 
AIOAOTOZ OI BOHGOV 
NIKOMHAEIÄ 
EFIOIOYN 
C. I. Gr. n. 6164. Ausserdem soll sich zu Gaeta eine Basis mit der In- 
schrift: 
EPMHZ 
AIOAOTOZY 
BOHOOY 
(  90V) 
EFIOI   
gefunden haben: C. I. Gr. n. 6146. Da indessen der Nominativ des voran- 
gestellten Götternamens auffällig" ist, und die Inschrift aus den Papieren Ligorids 
stammt, so ist auf ihre Echtheit nicht viel zu bauen. Dadurch aber fällt ein 
leiser Verdacht auf die zuerst angeführte. Denn wenn auch Ursinus nicht selbst 
Fälscher war, so nahm er doch vieles Falsche auf Treue und Glauben von 
Ligorio auf. Lassen wir indessen diesen Verdacht für jetzt ruhen, so muss sich 
502 uns die Frage aufdrängen, 0b der Vater dieser Künstler mit dem vorher be- 
handelten Boäthos identisch ist. Die Angabe des Vaterlandes derselben würde 
zur Verneinung nicht genügen: denn Nikomedia ist eine Ghalkedon benachbarte 
Stadt von Bithynieil, nach welcher als der Hauptstadt des Landes Boethos leicht 
übersiedeln konnte. Schwieriger ist eine Entscheidung hinsichtlich der Zeit. 
Freilich fällt auch diese Weg, Sofern wir annehmen, dass die Inschrift sich auf 
einer Gopie, nicht auf der Originalstatue befand. Lebte indessen Boethos, wie 
es möglich ist, einige Zeit vor der Unterjochung Griechenlands durch die Römer, 
so ist auch an dem Imperfectum ärroiovv auf den1 Werke seiner Söhne nicht 
Weiter Anstoss zu nehmen. Etwas Gewisses lässt sich indessen nicht ausmachen. 
1 V01. Jahn Ben d. sächs. Cäes. 1848 H, S. 48. Woraus die Variante der Bam- 
z,  ,  ,   
berger Handschnft: puer sex anms (aus anno corngut) anserem stmngulat, anstatt: puer 
eximie anserem strangulat, entstanden sem mag, vernmg 10h so wenig wie Jahn anzugeben.
        

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