Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1198344
Kunst 
Diath 
zchonperh 
bis zur 
Zerstörung 
winths. 
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über arme Menschenkinder, die durch sie die göttliche Gerechtigkeit erfahren; 
durch das Ueberraschende, Wunderbare des ungleichen Kampfes und durch die 
Schönheit der Anordnung wird das Grausen in Erstaunen, die Rührung in Be- 
wunderung verwandelt, durch die Art der Ausführung die Derbbeit des Stoffs, 
durch vollendete Kunst die Kühnheit seiner Wahl überboten. In solchen Dar- 
stellungen wird von der sinnlichen Erscheinung und der Kunst das sittliche 
Denken und Empfinden und das menschliche Mitgefühl so sehr gedätmpft, dass 
sich dem Eindruck nach von ihnen eine Darstellung, wie die des nur halb 
menschlichen Kentauren, der an grimrnen Löwen den Tod seiner zerfleischten 
Gattin rächt, in dem schönen Mosaik zu Berlin, nicht wesentlich unterscheidet." 
Wir sind in den letzten Sätzen, wie von selbst, wieder auf den Laokoon 
zurückgeführt worden; und in der That giebt es unter den uns erhaltenen 
Werken griechischer Kunst kein einziges, welches so, wie die beiden eben be- 
handelten, als der Ausfluss einer und derselben scharf ausgeprägten Geistes- 
richtung erschiene. Fragen wir aber die Entwickelungsgeschichte der Kunst 
anderer Völker, und ganz besonders der Griechen, so werden wir eingestehen 
müssen, dass Werke, in so schlagender Weise verwandt, wie diese, niemals in 
weit von einander liegenden Zeiträumen entstanden sind; und dieses Argument 500 
ist in unserem Falle von einer um so grösseren Bedeutung, als die gemeinsame 
Eigenthümlichkeit beider Werke gerade in der höchsten Anspannung aller Kräfte 
besteht, über welche der Künstler zu gebieten vermag, auf einem solchen Höhe- 
punkte aber noch weniger, als sonst irgendwo, ein längerer Stillstand nur denkbar 
ist. Werden nun endlich gar beide Werke noch ausdrücklich auf ein gemein- 
sames Vaterland zurückgeführt, so müssten in der That Beweise von der posi- 
tivsten, schlagendsten Art beigebracht werden, wenn nur ein Zweifel an ihrer 
Entstehung in einer und derselben Entwickelungsepoche der Kunst ausgesprochen 
werden sollte.   
Die 
übrigen 
Künstler 
dieser 
Periode. 
B0 öthos wird in den uns erhaltenen Handschriften des Pausanias (V, 17, 4) 
Karthager genannt, woran wir nicht umhin können Anstoss zu nehmen. Da 
nun auch sonst Kagxryöövtng und 1YCZÄMT7ÖÖVLOQ in den Handschriften verwechselt 
werden, so verdient gewiss die Vermuthung Müllers (Hdb. ä 159, 1) mit Beifall 
aufgenommen zu werden, dass Boethos vielmehr aus der bithynischen Stadt 
Chalkedon stamme. Seine Zeit lässt sich nur annähernd bestimmen. Als sein 
Werk nenilich erwähnt Cicero (in Verr. IV, 14) eine vorzügliche Hydria (prae- 
claro opere et grandi pondere), Welche Verres dem Pamphilos aus Lilybaeum 
raubte; dieser selbst aber hatte Gicero erzählt, sie sei ein Familienerbstück und 
ihm a patre et a maioribus hinterlassen. Hiernach konnte Boäthos mindestens 
nicht später, als in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts v. Chr. gelebt 
haben. Grossen Ruhm erwarb er durch toreutische Werke, zu denen die oben 
genannte Hydria gehört. 'Nach Plinius, welcher ihm nebst Akragas und Mys 
nach Mentor die erste Stelle anweist, befanden sich derartige Arbeiten von 
seiner Hand beim Tempel der Athene zu Lindos: 33, 155. Neben Alkon wird 
er in dem pseudovirgilischen Gedichte Culex (v. 66) genannt. Von statuarischen
        

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