Kunst
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fallendste ist ihm beide Male die Meisterschaft, mit welcher viele und schwierige
Probleme gelöst und zu einer künstlerischen Einheit verarbeitet sind. Was
wir daher über dieses Lob und das Verdienst, durch welches es hervorgerufen
ward, bei Gelegenheit des Laokoon bemerkt-haben, erleidet seine Anwendung
auch auf den Stier, und zwar in mancher Beziehung bei diesem in noch ver-
stärkter Weise. Denn die Elemente der Gomposition sind hier noch zahlreicher,
die Handlung in ihren verschiedenen Motiven noch complicirter; und während
die Künstler des Laokoon einen Theil der Schwierigkeiten dadurch zu beseitigen
vermochten, dass sie ihr Werk nur für die Betrachtung von einer Seite, die
Vorderansicht, berechneten, erscheint die Gruppe des Stiers bestimmt von allen
Seiten gesehen zu werden, so vielleicht, dass sie ursprünglich auf einem öffent-
lichen Platze aufgestellt war, wo sie rings umgangen werden konnte. S0 schön
zusammengeschlossen, wie der Laokoon, erscheint sie freilich nicht; und wir
dürfen nicht ganz ableugnen, dass die Künstler hin und wieder zu kleinen
Kunstgriffen ihre" Zuflucht genommen haben, um gewisse Lücken der Compo-
sition wenigstens" dem äusseren Auge zu verbergen, Die Anordnung der Basis
mit ihren Unebenheiten und ihrem vielfältigen Beiwerk, von welcher die Künstler 497
ganz besonderen Nutzen für die Aufstellung der verschiedenen Figuren gezogen
haben, ist zwar von Welcker in seinem schönen Aufsatze über den Stier 1) durch
die Hinweisung auf die Localität, den felsigen Gipfel des Kithaeron, und auf
die Zeit der Handlung, ein dionysisches Fest, hinreichend erklärt und gerecht-
fertigt; ja wir müssen danach den Gedanken, welcher dieselbe eingab, einen
durchaus glücklichen nennen. In den Einzelnheiten jedoch würde eine keines-
wegs missgünstige, sondern nur einigermassen strenge Kritik Manches nachzu-
weisen im Stande sein, worin wir einen Mangel jenes Maasshaltens, jener Ent-
sagung der älteren Kunst erblicken müssen, welche sich durchaus auf das für
die dargestellte Handlung Nothwendige beschränkt. Auch der vielfache Anstoss,
den man von den verschiedensten Seiten an der Figur der Antiope genommen
hat, scheint in künstlerischer Hinsicht nicht völlig unbegründet. Ihre Gegen-
wart mag zur vollständigen Darlegung der Motive, welche- die Handlung be-
dingen, nothwendig erscheinen, sie mag ferner dem einen künstlerischen Zwecke
entsprechen, de_r Mehrzahl der Figuren auf der vorderen Seite der Gruppe
gegenüber eine Art Gleichgewicht herzustellen; mit dem dargestellten Moment
der Handlung dagegen steht sie nur in der lockersten-Verbindung, und ihre
Rolle geht kaum über die eines unbetheiligten Zuschauers hinaus. Die Haupt-
aufmerksamkeit richteten offenbar die Künstler auf die Figuren der beiden
Söhne, der Dirke und des Stieres, und wenn auch hier manche Linien sich
dem Ganzen weniger günstig einfügen sollten, so werden wir dies zumeist als
durch die modernen Restaurationen verschuldet betrachten dürfen. Ueber den
Anblick des Ganzen können wir nur Welcker beistimmen, wenn er (S. 352)
sagt: „Die Gruppe des Stiers überschreitet eigentlich die Grenzen der Sculptur;
denn auf den ersten Blick macht sie immer zuerst den Eindruck einer ver-
worrenen aufgehäuften Masse, und gleicht einem kleinen auf seiner viereckten
Basis errichteten Thurm oder Kegel. Aber bewundernswürdig ist es, sobald
Denkm.