Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1198194
Bildhauer. 
steischen Epoche gern irgend etwas von den besonderen Lebensumständen er- 
wähnt. Wären aber auch seine WVorte noch zweideutiger, als sie es in der 
That sind, so würde doch die Entscheidung für die ältere Zeit der Diadochen- 
herrschaft ausfallen müssen, sobald wir uns erinnern, dass von allen uns be- 
kannten rhodischen Künstlern keiner überhaupt bis zur augusteischen Epoche 
heranreicht. Die Meister des Laokoon aber nach dem Verblühen der rhodischen 
Kunstschule, nach dem Verluste der politischen Selbständigkeit ihres Vater- 
landes urplötzlich erstehen zu lassen, das mag verantworten, wer da will. 
Doch wir verlassen dieses Feld von Untersuchungen, welche durch Spitz- 
findigkeiten einen klaren Blick in die Sachlage mehr erschwert als erleichtert 
haben, und Wenden uns dem Werke selbst zu, um zunächst unbekümmert um 
den kunstgeschichtlichen Zusammenhang, uns eine bestimmte Erkenntniss von 
seinem künstlerischen WVerthe zu verschaffen. 
Gewöhnlich wird der Beschauer schon beim ersten Anblicke so sehr von 
der Tragik des Gegenstandes gefesselt und in Anspruch genommen, dass er 
sich selten einen hinlänglich unbefangenen Blick bewahrt, um das Kunstwerk 
in seinen übrigen Beziehungen richtig und vorurtheilsfrei zu würdigen. Alle 
Eigenthümlichkeiten der künstlerischen Behandlung und Darstellung pflegen 
dann als in der besonderen Natur des Gegenstandes begründet kurz abgefertigt 
zu werden. Um nicht in denselben Fehler zu verfallen, gehen wir den um- 
gekehrten Weg" und suchen uns dem Kunstwerke zunächst in seinem äusseren 
Erscheinen und in seinen einzelnen Theilen zu nähern. 
3 Ueber die materiellen Schwierigkeiten, welche ein so complicirtes Werk 
darbot, wollen wir wenig sagen: sie waren allerdings gross; aber die alten 
Künstler erhöhten sich dieselben nicht absichtlich, wie es wohl neuere gethan 
haben, blos um technische Virtuosität zu zeigen. Der Ruhm, die ganze Gruppe 
aus einem einzigen Marmorblocke zu meisseln, erschien ihnen gering gegen 
die Vortheile, welche sie durch die Zusammensetzung aus mehreren Stücken 
erlangten, aus welchen sie in der That besteht. Sie verzichteten also selbst 
auf das bewundernde Lob, welches ihr Plinius, durch die materielle Einheit 
der Gruppirung getäuscht, in dem Ausdrucke ex uno lapide ertheilen will. 
Genauer müssen wir uns mit der technischen Behandlung des Marmors 
bekannt machen. Das Hauptinstrument für die Bearbeitung desselben ist offenbar 
der Meissel. Allein in der Regel wird der Marmor mit diesem Instrument für 
die letzte Vollendung nur vorbereitet. Die zarten Uebergänge und Verbindungen 
der Flächen herzustellen, kleine Feinheiten oder einzelne schärfere Linien dem 
Marmor einzuprägen, bleibt der Baspel und Feile oder einem spitzen Eisen 
überlassen, bis zuletzt zur Glättung der Oberfläche wohl noch ein förmliches 
Schleifen mit Bimsstein oder anderem Material hinzutritt. Von allen diesen 
Hülfsmitteln ist am Laokoon fast nirgends Gebrauch gemacht worden: überall 
begegnen wir deutlichen, unverwischten Spuren der Fläche des Meissels. Zwar 
hat man wohl behaupten wollen, diese Spuren rührten vielmehr von moderner 
Ueberarbeitung her, als von der Hand der alten Meister. Allein sie finden sich 
durchweg an der ganzen Gruppe, auch an versteckten Theilen, an welche Hand 
anzulegen ein Ueberarbeiter schwerlich der Mühe werth erachtet haben würde. 
Sodann ist eine derartige Behandlung gerade dem löten Jahrhundert, in welches
        

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