Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1197976
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Die 
Bildhauer. 
bekannt ist 1), aber auch von Diodor?) erwähnt wird 3). Eben s0_ findet sich 
dort der Gebrauch bestätigt, ganz oder fast ganz nackt in den Kampf zu gehen. 
Endlich verdienen auch der grosse Schild und das gebogene Schlachthorn als 
mit der Beschreibung übereinstimmend nicht übersehen zu werden. Dass wir 
in dem sterbenden Fechter einen Gallier vor uns haben, ist also keinem Zweifel 
446 unterworfen. Dadurch ist aber zugleich die Erklärung für die früher Arria und 
Paetus genannte Gruppe gegeben: sie stellt einen Gallier dar, welcher, um der 
Schmach der Gefangenschaft zu entgehen, zuerst sein Weib und darauf sich 
selbst lödtet; wie ja auch Pausanias (c. 28) berichtet, dass sie in dem Kampfe 
bei Delphi diejenigen, welche auf der Flucht wegen ihrer Wunden und ihrer 
Schwäche nicht zu folgen vermochten, selbst niedermachten. Die richtige Deu- 
tung ist als Vermuthung schon von Visconti 4) ausgesprochen, von Raoul-Rochette 5) 
aber zuerst ausführlich begründet worden. Nur hätte dieser Gelehrte noch einen 
Schritt weiter gehen, und, wenn er Analogien für den Styl der Gruppe suchte, 
nicht auf den sogenannten borghesischen Fechter verweisen sollen, welcher sich 
von ihr in der ganzen Behandlung wesentlich unterscheidet: nur eine Statue 
durfte zur Vergleichung herbeigezogen werden, und diese ist keine andere, als 
 der sterbende Fechter selbst. Er zeigt nicht nur Analogien des Styls, sondern 
 eine vollständige Uebcreinstinimtmg: er ist nicht nur das Product einer ver- 
wandten Geistesrichtung, sondern desselben Geistes, ja vielleicht derselben Hand, 
wie er aus demselben Material, dem gleichen, von dem gewöhnlichen sich nicht 
unwesentlich unterscheidenden Marmor, gebildet ist. Es ist überflüssig, dafür 
noch weitere Beweise beizubringen, wo ein Jeder durch den Augenschein sich 
leicht selbst überzeugen kann. Nur einen Einwand will ich beseitigen, den man 
aus der Betrachtung; der Vorderansicht der zusammensinkenden Frau hernehmen 
möchte: die hier bemerkbare Verschiedenheit des Styls ist lediglich auf Rech- 
nung einer modernen ungeschickten Ueberarbeitung und Glättung zu setzen, 
während die Rückseite in vollerFrische die Uebereinstimmung hinlänglich ver- 
bürgt.  Die Erkenntniss aber, dass Statue und Gruppe eng zu einander ge- 
hören, ist von hoher Wichtigkeit. Denn es fällt damit die Hypothese weg, dass 
die erste nur eine in römischer Zeit gemachte und etwa zum Schmucke einer 
Trophäe bestimmte Gopie sei. Sie ist Original, wie die Gruppe: und über diesen 
Punkt hätte man nie sollen in Zweifel sein; denn der eigenthümliche Zauber, 
welchen sie mehr als die meisten in Rom noch erhaltenen Antiken auf den 
447 Beschauer ausübt, beruht eben auf ihrer Originalität. Man prüfe das kleinste 
Detail; und nirgends wird man etwas weder von der Aengstlichkeit, noch von 
der glatten Praktik und Routine eines Gopisten bemerken, sondern in jedem 
Zuge finden, dass ihn der Künstler mit vollem Bewusstsein und für den be- 
stimmten Zweck gerade so in dem Marmor bilden wollte, wie wir ihn sehen. 
 Freilich könnte man die Originalität dieser Marmorwerke auch wieder zu 
dem Beweise benutzen wollen, dass sie mit den von Plinius erwähnten Gallier- 
schlachten pergamenischer Künstler nicht in unmittelbarem Zusammenhangs 
stehen könnten, da dieselben in dem Buche über die Erzgiesser angeführt 
LiV. , 
ß) Bullet. 
7. 
de 
2) c. 27. 
Färnssac 
auch Ann. dell Inst. 
XV, p. 36-5 sqq. 
1831, 
307. 
VRT.
        

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