Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1197864
ihrem 
Kunst in 
griechische 
Die 
Streben 
nach 
Wahrheit. 
äusserer 
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Welche, von geringerer Bedeutung für den religiösen Gultus, vorzüglich geeignet 
erscheinen mussten, dem Luxus, der Auschmückung prächtiger Anlagen der 
Reichen und Vornehmen zu dienen. Wenn wir aber die von Skopas und Praxi- 
teles eröffnete Bahn nicht sogleich von einer Schaar von Nachahmern betreten 
sehen, so hat dies wahrscheinlich seinen Grund nur darin, dass in Griechenland 
selbst noch in den Zeiten Alexanders der Sinn weniger auf solchen Glanz des 
Privatlebens gerichtet war, als später in Bom.  Verhältnissmässig gering kann 
bei flüchtiger Betrachtung die Thatigkeit der Attiker auf dem Gebiete der Heroen- 
bildung erscheinen. Doch zeigt sich, wenn wir auf die frühere Zeit blicken, 
namentlich in einigen Werken des Euphranor und Silanion, eine wesentliche 
Veränderung und, wir dürfen wohl sagen, ein Fortschritt, in sofern diese Künstler 
einzelne Heroen nicht sowohl nach ihrer nationalen und politischen Bedeutung, 
als nach ihrem Werthe für künstlerische Darstellung zum Gegenstande ihrer 
Thätigkeit machten. Ausserdern aber dürfen wir nicht übersehen, dass die 
Heroenbildung in der Sculptur ihre vorzüglichste Förderung durch die Archi- 430 
tektur erhielt. Ich erinnere hier nur an die Statuengruppen in den Giebeln 
des tegeatischen Tempels, an die Reliefs am Mausoleum; andere mit Sculpturen 
gezierte Bauten von geringerem Umfange mochten aber in dieser Periode in 
grösserer Zahl erstehen, und es möge des Beispiels halber hier nur das chora- 
gische Monument des Lysikrates in Athen genannt werden.  Von einer histo- 
rischen Kunst im engeren Sinne finden wir auch jetzt noch bei den Attikern 
keine Spuren. Nur gewinnt die Portraitbildung bei dem überhandnehmenden  
Gebrauche der Ehrenstatuen eine weite Ausdehnung, obwohl auch auf diesem 
Gebiete Statuen olympischer Sieger ausdrücklich nur von Sthennis und Silanion 
angeführt werden, und die Attiker jetzt ebenso, wie früher, auf die Darstellung 
von Persönlichkeiten, deren Bedeutung allein oder vornehmlich in ihren körper- 
lichen Vorzügen begründet war, geringeren Werth gelegt zu haben scheinen, 
als die Sikyonier. denen Vollkommenheit der Form für den Hauptzweck der 
Kunst galt. Dagegen streiten sie mit diesen um den Vorrang in der Bildung 
solcher Portraits, welche ihren Werth nur durch die richtige Auffassung des 
Geistes und des Charakters der dargestellten Person erhalten konnten. Staats- 
männer, Redner, Philosophen, Dichter und Dichterinnen werden in grosser Zahl 
und, wie wir aus den noch erhaltenen Nachbildungen schliessen dürfen, in hoher 
"Vortrefflichkeit gebildet. Auch nach aussen verbreitet sich der Ruf athenischer 
Meister in diesem Kunstzweige; Euphranor und Leochares arbeiten für den 
lnakedonischen Königshof zu Philipps Zeit, und erst der nach Verherrlichung 
seiner kriegerischen Thaten strebende Alexander zieht allen anderen Künstlern 
den Sikyonier Lysipp vor.  
Die bisherigen Bemerkungen werden sich also kurz so zusammenfassen 
lassen, dass die Attiker in der Hauptmasse ihrer Darstellungen sich innerhalb 
der schon früher bevorzugten Kreise bewegen, dass sie die Grenzen derselben 
zu erweitern, die in ihnen enthaltenen Keime oft in weitem Umfange und selb- 
ständig zu entwickeln trachten, nicht aber in Bahnen einlenken, welche der 
früheren Entwickelung durchaus fremd und widersprechend waren. Zu dem- 
selben Ergebniss wird uns nunvauch die Betrachtung der sikyonischen, aus der 
früheren argivischen hervorgegangenen Schule führen. Was wir früher mit Nacl1-
        

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