Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1197843
griechische 
Die 
ihrem 
Kunst in 
Streben 
nach 
äussäerer 
WValn-heit. 
299 
und Lysipp verherrlicht. Durch die Bundesgenossenschaft Thebens hebt sich 
Arkadien: unter Leitung des Skopas ersteht in dem Athenetempel von Tegea 
ein der vorigen Epoche würdiges Prachtwerk. Für Megalopolis, den neuen 
politischen Mittelpunkt Arkadiens, arbeiten mehrere der ausgezeichnetsten 
Künstler; für Mantinea Praxiteles. Mit der YViedererbauung Messeneis, noch 
gegen das Ende der vorigen Periode, tritt gleichzeitig dort ein einheimischer 
Künstler von hohem Verdienste, Demophon, auf. Megara füllt sich mit NVerken 
des Skopas und Praxiteles. Knidos erlangt seine Berühmtheit erst durch die 
Aphrodite; und andere Kunstwerke gesellen sich ihr bei. Von kleineren Orten 
zu schweigen, seien hier nur noch Tarent und Rhodos erwähnt, welche in den 
Kolossen des Lysipp und Chares alle Nebenbuhler durch Gewaltigkeit und 
Massenhaftigkeit überbieten zu wollen schienen. Durch diese Verbreitung der 
Kunstliebe über ganz Hellas erhielt sich namentlich die religiöse Kunst fort- 
während in ihrer Blüthe: denn auch darin folgten diese Städte noch ihren Vor- 427 
bildern, dass sie vor allem auf die Schmückung ihrer Stammesheiligthümer 
bedacht waren, oder wenigstens den Göttern die Werke der Kunst weiheten. 
Selbst das Wunder dieser Periode, das Mausoleum, möchte ich unter diesem 
Gesichtspunkte auffassen: denn obwohl Grabmahl, hatte es doch guanz den 
Charakter eines Heroon und stellte sich schon durch die Stelle, auf welcher 
es erbaut war, als der Mittelpunkt der Heiligthümer von Halikarnass dar 1). 
Aber in der Mitte dieser Periode erfolgte ein gewaltiger Umschwung in 
den politischen Verhältnissen durch den Sieg der makedonischen Alleinherrschaft. 
Zwar ist diese selbst nur von kurzer Dauer; aber sie hat in ihrem Gefolge fast 
überall die Alleinherrschaft von Königen. Ein König aber macht andere For- 
derungen an den Künstler, als ein wahrhaft republikanischer Staatsmann, selbst 
wenn dieser factisch die Macht eines Königs ausübt. Er will selbst verherrlicht 
sein; und ein Alexander begnügte sich nicht, König von Gottes Gnaden zu 
heissen: er nannte sich Sohn des Zeus selbst. So tritt seine Gestalt in den 
Kreis der Kunstdarstellungen nicht wie ein gewöhnliches Portrait, sondern wie 
das Bild, wenn nicht eines Gottes, doch eines Heros. Ferner aber verlangt er 
von der Kunst die Verherrlichung seiner eigenen Thaten, und hierdurch muss 
sich allmählig neben der religiösen die historische Kunst ausbilden. Wo finden 
wir in der früheren Zeit ein Werk, welches sich mit der Schaar der Reiter vom 
Granikos, mit Alexander auf der Löwenjagd vergleichen liesse? Solche Auf- 
träge waren lockende Aufgaben für den Künstler, und "keinVJunder also, wenn 
wir Männer ersten Ranges, vor allen Lysipp, dann Leochares, Euphranor, im 
Dienste des Königs finden. Nach Alexanders Tode erfolgt zwar zunächst der 
Verfall seines einheitlichen Reiches; die Kämpfe seiner Feldherren erlauben 
denselben nicht, sofort an die Beschützung der Kunst zu denken; und darin 
haben wir den Grund zu suchen, weshalb in der nächsten Zeit nur von einigen 
Portraitstatuen des Seleukos, Demetrios, Peukestes die Rede ist. Sobald sich 
indessen die Herrschaft der Einzelnen befestigt, wendet sich auch den Künsten 
die Aufmerksamkeit wieder zu; und in der folgenden Periode finden wir gerade 428 
an einem dieser Königshöfe einen Hauptsitz der Kunst. 
Vitruv
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.