Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1197819
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Bildhauer. 
Die 
etwa zwischen diesen und den Werken des Thrason ein Zusammenhang an- 
zunehmen sein? Das Archaisirende in dem Styl des Gewandes würde nicht 
geradezu ein Gegenbeweis sein. Denn es tritt eigentlich nur in der Ausführung 
hervor, und konnte von dem Künstler in einer bestimmten Absicht angewendet 
sein, als der strengen Sitte der Penelope am meisten entsprechend. Das Geistige 
der Composition, das sich in ihr aussprechende Gefühl, das Trauern und Sinnen, 
zeugt dagegen von einem so tiefen künstlerischen Verständniss und einer solchen 
Freiheit in Beherrschung aller Mittel, dass es bedenklich scheint, hier eine Com- 
position der alten Zeit, der Kunst vor Phidias, anzunehmen- Zudem ist die 
Zeit des Thrason keineswegs sicher, und wir glaubten nur deshalb dem Künstler 
seine Stelle am besten hier anweisen zu dürfen, weil zur Zeit des Alexander 
der ephesische Tempel neu gebaut und mit Kunstwerken geschmückt ward. 
Doch konnte sich recht wohl noch Manches auch aus der früheren Zeit erhalten 
haben; und für diese sprechen bei dem Bilde der Penelope allerdings die Rein- 
heit und Strenge der ganzen Auffassung. Freilich bleibt auch so die aus- 
gesprochene Meinung nur eine Vermuthung, für die man allgemeine Billigung 
keineswegs verlangen darf.  Einen Thrason aus Pellene werden wir später 
als Künstler der Kaiserzeit kennen lernen. Den älteren deshalb ebenfalls für 
einen Arkader zu erklären, möchte indessen zu gewagt erscheinen. 
Menestratos. „Sehr bewundert werden auch der Herakles des Mene- 
stratos und die Hekate zu Ephesos im Tempel der Artemis post aedem, bei 
deren Betrachtung die Tempelwärter aufmerksam machen, der Augen zu schonen: 
so stark ist die Ausstrahlung des Marmors": Plin. 36, 32. Den Ausdruck post 
aedem glaubte Sillig früher von dem Opisthodomos des Tempels verstehen zu 
müssen. Er stimmt aber vollkommen mit dem griechischen nsrd röv vsoiv über- 
423 ein, welchen Strabo zur Bezeichnung der Localität anwendet, an der sich das 
Hekatesion des Thrason befand. Offenbar wanebendaselbst die Hekate des 
Menestratos aufgestellt. In Betreff der Zeit des Künstlers gilt, was auch über 
Thrason bemerkt ist. Tatian (c. Graec. 52, p. 113 Worth) führt ausserdem als 
sein Werk noch eine Statue der uns unbekannten Dichterin Learchis an. 
Mentor, der berühmte Caelator, welcher vor dem Brande des ephesischen 
Tempels gelebt haben muss, arbeitete auch grössere Bilder in Erz, deren eines 
sich in Varrds Besitz befand: Plin. 33, 154-. 
Asklepiodoros, welcher Philosophenstatuen machte (Plin. 34, 86), ge- 
hört in diese Periode, sofern wir annehmen wollen, dass er von dem als Zeit- 
genossen des Apelles bekannten Maler nicht verschieden ist. 
Gryllion. In dem Testamente des Aristoteles, welcher Ol. 114, 3 starb, 
heisst es, man möge für die bei Gryllion bestellten Bilder einiger Familienglieder 
Sorge tragen, damit sie vollendet und geweiht würden: Diog. Laert. V, s. 15. 
Eiudvsg sind wohl am einfachsten für Büsten zu halten, können freilich auch 
Gemälde sein. 
Amphistratos machte nach Tatian (c. Gr. 52, p. 114) ein Erzbild der 
uns unbekannten Dichterin Kleito, nach Plinius (36, 36) das Marmorbild des 
Geschichtsschreibers Kallisthenes, welches zu Rom in den servilianischen Gärten 
aufgestellt war. Kallisthenes schrieb die Geschichte der Jahre Ol. 98, 2-105, 41, 
starb aber erst im Anfange von Ol. 113; vgl. Clinton fasti p. 387.
        

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