Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1197773
Die Bildhauer. 
Der Künstler wird von Plinius, Strabo 1) und Eustathius 2) Ghares genannt, 
während er in einem Epigramme der Anthologie 3) Laches heisst. Diese Ver- 
 schiedenheit hat man aus einer Anekdote bei Sextus Empiricus 4) erklären 
wollen, nach welcher Ghares sich vor Vollendung des NVerkes, weil er sich in 
dem Kostenanschlage arg verrechnet, das Leben genommen haben soll, so dass 
also Laches die Arbeit nach dem Tode desselben übernommen hätte. Allein die 
Erzählung: ein Künstler, wie Chares, habe den Preis, welchen er für das Bild 
in halber Grösse verlangt, für die ganze Höhe nur verdoppelt, verstösst so sehr 
gegen alle Wahrscheinlichkeit, dass auf jeden Fall die weit einfachere Erklärung 
vorzuziehen ist: in dem Epigramme beruhe der Name Laches nur auf einer 
417 falschen Lesart. Dass der Scholiast des Lucian 5) Lysipp als Künstler nennt, 
ist gewiss nur ein Versehen. Ueber die Angabe des Paulus Diaconus im Aus- 
zuge des Festus s. v. colossus vgl. unter Colotes.   
Hinsichtlich des Maasses des Kolosses stimmen Strabo, Plinius und Festus 
überein, indem sie dasselbe auf 70 Ellen oder 105 römische Fuss angeben. 
Gegenüber diesen ältesten und sorgfältigsten Quellen verdienen die confusen 
 und sich widersprechenden Nachrichten der Späteren keine Berücksichtigung; 
und wir verweisen daher über dieselben und manche andere Sagen, welche sich 
an den Koloss als eines der sieben Wunderwerke der alten Welt anknüpfen, 
auf den Commentar Orellfs zu Philo von Byzanz. Mancher Leser wird viel- 
leicht als Kind in seinem Bilderbuche die Gestalt eines dunkelgefärbten nackten 
Mannes angestaunt haben, welcher mit gespreizten Beinen, unter welchem ein 
Schiff durchführt, über dem Eingange eines Hafens aufgestellt ist, und in der 
einen hoch erhobenen Hand eine Pfanne mit brennender Flamme hält. In 
welchem Gehirn dieser sogenannte Koloss von Rhodos entstanden sein mag, 
weiss ich nicht anzugeben. In den Nachrichten der Alten finden wir durchaus 
keine Angaben weder speciell über den Ort der Aufstellung, noch über die 
äussere Gestalt des Bildes. 
Ausser dem Bilde des Sonnengottes führt Plinius (34, 44) als ein Werk 
des Chares noch einen kolossalen Kopf aus Erz an, welchen der Consul P. Len- 
tulus auf dem Kapitol geweiht hatte. 
Dass Chares Schüler des Lysipp war, sagt ausser Plinius auch der Auctor 
ad Herennium IV, 6: „Ghares lernte von Lysipp Statuen niachen, nicht auf 
die Weise, dass dieser ihm einen Kopf des Myron, Arme des Praxiteles, eine 
Brust des Polyklet, Bauch und Schenkel     zeigte; sondern er sah das alles 
von dem Lehrer in seiner Gegenwart bilden; die Werke der Uebrigen konnte 
er auch für sich allein betrachten." Wenn Sillig daraus schliessen will, er 
scheine von seinem Lehrer besonders begünstigt worden zu sein, so ist dies 
gewiss zu weit gegangen. Denn der Sinn ist nur allgemein, dass, wer einen 
418 Andern etwas lehren wolle, im Stande sein müsse, es ihm selbst vorzunlachen, 
und nicht sich begnügen dürfe, ihn auf vollendete Muster zu verweisen. Aller- 
dings aber musste gerade für Ghares die Belehrung durch Lysipp namentlich 
 in technischer Beziehung von der höchsten Bedeutung sein. Denn der Zeus 
1) XIV, p. 6.52. 
1.56 8a. 001. Allobr. 
Dion. Perieg. 
 Icarolnen. 
2) ad 
1621. 
50 
1g_4' 
Anall. 
143, 
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mai
        

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