Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1197767
griechische 
ihrem 
Kunst in 
Streben 
nach 
äusserer 
Wahrheit. 
291 
Schüler des Eutychides 
K a n th a r 0 s , 
war 
ebenfalls aus Sikyon gebürtig, und Sohn eines Alexis, welcher mit dem gleich- 
namigen Künstler aus der Schule des Polyklet in Farnilienzusammenhang stehen 
kann, aber nicht nothwendig zu stehen braucht: Paus. VI, 3, 6. Plinius (34, 85) 
nennt Kantharos unter den Künstlern, Welche Wegen ihrer gleichmässigen Tüchtig- 
keit, wenn auch nicht wegen eines einzelnen besonders ausgezeichneten Werkes 
Anerkennung verdienen. Dass er auch Caelator gewesen, hat Sillig wohl nur 
aus Versehen in dieser Stelle zu finden geglaubt. Zwei Werke führt Pausanias 
an: die Statuen des Alexinikos aus Elis, und des Kratinos aus Aegeira, welche 
beide im Ringen der Knaben zu Olympia gesiegt hatten: VI, 17, 7; 8, 6. Der 
Letztere zeichnete sich sowohl durch seine Schönheit, als durch die grosse Kunst 
aus, mit welcher er das Ringen betrieb, weshalb ihrn erlaubt ward, neben seinem 
eigenen Bilde in Olympia auch das seines Lehrers aufzustellen. 
YVir beschliessen die Reihe der Schüler des Lysipp mit dem berühmtesten 
unter ihnen:  
Chares, 
von Lindos auf Rhodos gebürtig. Ueber das Werk, welchem er seinen Ruhm 
verdankte, hören wir zunächst Plinius (34, 41): „Vor allen aber ward bewun- 
dert der Koloss des Sonnengottes zu Rhodos, welchen Ghares aus Lindos, der 
Schüler des Lysipp, gemacht hatte. Seine Höhe betrug 70 Ellen (105 Fuss). 
Dieses Bild ward nach 56 Jahren durch ein Erdbeben niedergeworfen; aber auch 
liegend ist es zum Erstaunen. Wenige sind im Stande, seinen Daumen zu 
umfassen; die Finger allein sind grösser, als die meisten Statuen; weite Höhlen 
gähnen aus den gebrochenen Gliedern entgegen. Drinnen aber sieht man 
gewaltige Felsblöcke, durch deren Gewicht es der Künstler bei der Aufrichtung 416 
festgestellt hatte. In zwölf Jahren soll es für 300 Talente gemacht worden sein, 
die man aus dem Apparate löste, welchen der König Demetrios aus Ueberdruss 
an der langen vergeblichen Belagerung; vor Rhodos zurückgelassen hatte." Diese 
Belagerung ward aufgegeben Ol. 119, 1-2. Kllfäre dann der Koloss sogleich 
begonnen worden, so hätte er Ol. 122, 2 beendigt sein müssen; 56 Jahre seines 
Bestandes führen uns auf Ol. 136, 2. Allein das Erdbeben, welches ihn zer- 
störte, fällt nach. der Chronik des Eusebius und Syncellus 1) in das erste oder 
zweite Jahr der 139sten Olympiade, nach Orosius?) in das Gonsulat des G. 
Flaminius: 531 a. u. c., Ol. 139, 2-3. Polybius 3) erwähnt sogar des Erdbebens 
mitten unter den Begebenheiten der 140sten Olympiade als eines kurze Zeit 
Vorher eingetretenen Ereignisses. Wollen wir also nicht annehmen, dass das 
Werk erst längere Zeit nach der Belagerung begonnen sei, so werden wir der 
Vermuthung Scaligers 4) beitreten müssen, dass zwischen der Vollendung und 
dem Zusamrnensturz nicht 56, sondern 66 Jahre verstrichen seien. Damit stimmt 
endlich auch die Angabe des Suidas 5') überein, dass der Koloss während der 
Regierungszeit des Seleukos Nikanor aufgestellt sei, welcher gerade am Ende 
der 124sten Olympiade ermordet ward 6). 
L 
über 
1) 
die 
p. 220 C. 2) IV, 13. v3) V, 88. 4) zu Euseb. p. 137. 5) 
verschiedenen hier berührten Zeitangaben Glinton üisti. 
Kolomiaaz! g. 
Vgl.
        

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