Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1197758
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Die 
Bildhauer. 
Strenge der Haltung einer anmuthigen Sorglosigkeit Platz gemacht hatte, so 
bewunderte das Alterthum an dem Eurotas die Weichheit, ja Flüssigkeit der 
Behandlung, durch welche Eutychides die Natur des feuchten Elementes noch 
überboten zu haben schien. Wir haben hier Wieder einen jener epigramma- 
tischen, auf eine bestimmte Spitze berechneten Lobsprüche vor uns. Dies kann 
unsindessen nicht hindern zu fragen, wodurch derselbe gerechtfertigt sein 
mochte. Wir dürfen nicht etwa an eine besondere Weichheit in der Behand- 
lung des Fleisches, der Oberfläche des Körpers denken, einer solchen, wie sie 
in dem Symplegma des Kephisodot ihre Bewunderer fand; denn dieser Behand- 
414 lung bequemt sich das Erz nicht in derselben Weise an, wie der Marmor. Es 
sei mir daher erlaubt, vielmehr eine Erklärung; durch die Hinweisung auf einige 
andere Bildwerke zu versuchen, deren Vergleichung; vielleicht, aber doch nur 
 auf den ersten Blick, fernliegend erscheinen mag: nemlich zwei Panther des 
vaticanischen Museums, Thiere aus dem Katzengeschlechte, an welchen nicht 
die Stärke und Tragfähigkeit des Knochen- und llltiskelbaues, das Feste der 
Form, sondern die elastische Weichheit, welche einer Fixirung der Form gerade 
zu widersprechen scheint, die am meisten hervortretende charakteristische Eigen- 
schaft bildet. Sie liegen da, man möchte sagen, wie hingegossen; und die 
Wirkung erscheint um so grösser, wenn wir bedenken, dass die Arbeit in dem 
härtesten, sprödesten Stoffe, in Granit, ausgeführt ist. Von einer nach Illusion 
strebenden Behandlung des Details der Oberfläche kann in diesem Stoffe am 
allerwenigsten die Rede sein: die Weichheit liegt also lediglich in der Fügung, 
in der Geschmeidigkeit und Gelenkigkeit jedes einzelnen Gliedes. Wenden 
wir jetzt dasselbe Bildungsprincip auf die Darstellung eines Flussgottes an, so 
springt es in die Augen, was den Alten zu einer witzigen Vergleichung der 
Flüssigkeit des Kunstwerkes und des Flusses Veranlassung bot: es warudas 
Hinfliessen der ganzen, wahrscheinlich liegenden Gestalt, das Gelöste, aller 
Spannung Entbehrende jeder Bewegung, was in dem harten Stoffe gebunden 
die Bewunderung der Menge hervorrief, so recht der Gegensatz dessen, was die 
strenge Bildung des Körpers in den Gymnasien erstrebte.  
Kehren wir jetzt wieder zu dem Künstler zurück, welcher diesen Eurotas 
und die Tyche geschaffen hatte, so ergiebt sich für ihn durch diese XVerke eine 
sehr bestimmte Stellung in der sikyonischen Schule. Wir finden eine natur- 
gemässe Entwickelung derjenigen Bestrebungen Lysippls, welcheiden Ernst und 
die Strenge der älteren Kunst mit Eleganz und Leichtigkeit zu vertauschen 
bezweckten. Ob und wie weit dasselbe auch hinsichtlich der äusseren Behand- 
lung behauptet werden darf, insofern auch darin die Künstler dieser Zeit sich 
der sinnlichen Wahrheit der Natur zu nähern suchten, "vermögen wir nicht zu 
entscheiden. Auf jeden Fall indessen scheint die charakteristische Eigenthüm- 
lichkeit des Eutychides weniger hierin gesucht werden zu müssen, als in der 
415 Gomposition, in einer Verbindung der Theile, welche dadurch, dass sie die dar- 
gestellte Person frei von allem Zwange und von aller Anstrengung erscheinen 
lässt, dem Beschauer das Gefühl des daraus entspringenden Behagens unver- 
merkt mittheilt und es ihn als etwas ihm selbst Angehöriges empfinden lässt. 1) 
ist 
1) Eutychides in ei1101n Flpigrannne der Anthologie (Anall. U, p. 311, n. 14) 
Künstler, sondern ein Unbekannter, welcher einen Priap aufgestellt hatte. 
der 
nie]
        

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