Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195037
mythologischen Ausbildung der Sage überall entgegentritt. Er ist ein wahrer 
Odysseus in der Kunst, voll neuer Gedanken, sinnig im Erfinden, gewandt im 
Ausführen, und jede Schwierigkeit scheint, weit entfernt ihm Verlegenheiten zu 
bereiten, vielmehr stets von Neuem ihm die Veranlassung darzubieten, durch 
Ueberwindung derselben zu überraschen und zu glänzen. 
Natürlich hat diese ganze Gestaltung der Persönlichkeit für die Künstler- 
geschichte keinen besonderen Werth. Denn wie schon bemerkt ist, die Person 
gehört der Sage an, und die Thatsachen, die in ihr verkörpert erscheinen, liegen 
weit aus einander, dem Raume wie der Zeit nach. Leider ist ihr keine weitere 
Ausbildung zu Theil geworden. Stände Daedalos in einem Kreise von Künst- 
lern, wie Odysseus in der Mitte einer Reihe von Helden, so würde sich trotz 
aller poetischen Ausschmtickung doch manches Factum, mancher Gegensatz in 
der Kunstübung der mehr historischen Zeit wenigstens im Keime nachweisen 
23 lassen. Aber, den einzigen Talos ausgenommen, erscheint nirgends ein Künstler 
neben ihm (denn über Smilis s. unten); man hat auf ihn allein fast alles über: 
tragen, was überhaupt von den Anfängen griechischer Kunst bekannt war. 
Dazu kommt aber, dass die Sage ihre hauptsachlichste Ausbildung von Athen 
aus und dadurch ein wesentlich attisches Gepräge erhielt. So wird Daedalos 
vorzugsweise Stammvater der attischen Kunst: ot cirtd Acuöttltotv und ägycc- 
onygttwv m17 Hrnxoü ist namentlich bei Pausanias tiollkonimen gleichbedeutend. 
Wir aber gerathen dadurch in die Verlegenheit, dass wir, wo eine Nachricht 
mit dem Namen des Daedalos verbunden ist, fast nie mit Sicherheit zu unter- 
scheiden vermögen, ob wir es mit den Anfängen griechischer Kunst überhaupt 
oder speciell der attischen zu thun haben. Wir ziehen es vor, lieber diese 
Schwierigkeit ohne Hehl einzugestehen, als noch länger durch schwankende 
Vermuthungen feinere Unterschiede feststellen zu wollen. Die Begrenzung der 
daedalischen Kunst gegen die historische Zeit wird sich uns in den spätern 
Untersuchungen von selbst ergeben. 
Hier mögen zunächst zwei Künstler folgen, von denen der eine mehr der 
Sage, als der Geschichte, der andere umgekehrt mehr der Geschichte, als der 
Sage angehört. 
Epeios, 
Sohn des Panopeus, ist aus Homer als der Verfertiger des hölzernen Rosses 
bekannt, mit dessen Hülfe Troja erobert ward. Nicht deshalb aber verdient er 
hier genannt zu werden, sondern weil Plato 1) ihn neben Daedalos und Theo- 
doros von Samos als Künstler (dvöpravrontitdg) anführt und Pausanias 3) ihm 
sogar ein Xoanon des Hermes beilegt, das er zu Argos sah. Diese Angaben 
beweisen wenigstens, dass die Kunst schon in sehr alter Zeit auch in Argos 
geübt ward, und es ist möglich, dass sich dort die Künst.lersage an den Namen 
des Epeios knüpfte; doch stehen die ältesten uns bekannten Künstler aus Argos 
mit ihm nicht in einem Schulzusammenhange, wie er sich bei den Daedaliden 
bis tief in die historische Zeit hinab findet. 
Dibutades [Butades], 
ein Töpfer aus Sikyon, soll zu Korinth die Plastik, das Bilden in weichen 
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