Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195020
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liünstlergruppe: 
gegen 
rungen mussten allerdings in jener ältesten Zeit eine überraschende Wirkung 
hervorbringen und erlälären hinlänglich das Staunen über die Lebendigkeit der 
Bilder. Im Uebrigen mochten sie, wie Pausanias 1) sich ausdrückt, noch ziem- 
lich wunderlich anzuschauen sein, gleichwohl aber selbst aus ihnen schon eine 
gewisse Gottbegeisterung hervorleuchtelßh 
Da unsere Nachrichten nicht weiter in Einzelnes eingehen, so bleibt unsere 
Kenntniss freilich sehr oberflächlich. Aber dennoch genügt sie, eine That- 
SaChß V011 grossel" Bedeutung in klares Licht zu stellen, nemlich die gänzliche 
Verschiedenheit daedalischer und aegyptischer Kunst 2). Zwar könnten wir uns 
schon an dem Zeugnisse des Pausanias 3) genügen lassen, der alt-attische, 
aeginetischer aegyptische YVerke bestimmt von einander scheidet. Wir könnten 
uns ferner darauf berufen, dass ein geübtes Auge nimmer ein aegyptisches und 
ein altgriechisches Werk verwechseln wird. Aber die Nachrichten über Daedalos 
geben uns die positiven Kennzeichen zur Unterscheidung seiner und der aegyp- 
llsßhen Kunst an. In den Bildern der Aegypter liegen die Arme am Körper 
all; keines derselben ist mit freistehenden, rund herum ausgearbeiteten Schen- 
kehß) gebildet, sondern m5 ndöe Csvyvüvrsg xal 0501129 ävoüvreg ionimv 5). Da 
M80 Daedalos die griechische Kunst gerade von denjenigen Fesseln frei machte, 
111 denen die aegyptische bis an ihr Ende verharrte, so wäre es höchstens noch 
1115811011, einen Einfluss der einen auf die andere in vordaedalischer Zeit an- 
zunehmen, in der aber Steifheit und Unbeholfenheit diesen Einfluss noch keines- 
Wegs mit Nothwendigkeit beweisen. Sonach wird es hinlänglich gerechtfertigt 
sein, wenn wir die Wanderungen des Daedalos nach Aegypten für durchaus 
zweifelhaft erklären. Diodor erhielt seine Nachrichten darüber von den aegyp- 
tischen Priestern seiner Zeit. Wir wollen diese nicht des absichtlichen Be- 
trugs anklagen: aber gewiss tauschten sie sich selbst. Sie fanden in Ver- 
bindung mit ihrem Hephaestos einen Dämon oder Menschen, dessen Name eine 
mit dem griechischen Daedalos übereinstimmende Bedeutung; haben mochte; 
und dies war ihnen Grund genug, beide für eine und dieselbe Person zu halten. 
YVir würden die Einheit, wenigstens der Idee, zugeben, wenn der griechische 
Hephaestos, wie er einmal bei Pindar und auf einem Vasenbilde Daedalos heisst, 
auch sonst einen Daedalos neben oder unter sich hatte. Der griechische Künstler 
aber hat selbst in der mythologischen Ausbildung seiner Geschichte nirgends 
etwas mit dem Feuergotte zu thun: seine doppelte Thätigkeit erstreckt sich 
nur auf Holzbilder und Bauwerke, nirgends auf Metallarbeit. 
Wir haben bis jetzt den Daedalos vorzugsweise als Bildner im Auge ge- 
habt, und wurden dazu durch die Natur unserer Quellen von selbst veranlasst. 
Die Bauwerke führen uns aus Hellas nach den westlichen Niederlassungen, und 
diese Scheidung der verschiedenen Kunstthätigkeit nach den verschiedenen Län- 
dern erscheint auffallend genug, um eine besondere Veranlassung dafür zu ver- 
Inuthen, doch sind wir nicht im Stande, sie nachzuweisen. Die Persönlichkeit 
des Künstlers bleibt indessen auch hier dieselbe, die uns namentlich in der 
L 
1) II, 4, 5. 9) Vgl. darüber auch Roulez 
1'Rp_port 21. Purigine de Part grec. Bruxelles 183-3. 
Phllops. 19. 5) S. die Erklärer zu Diod. I, S9. 
Brunn, Geschichte der griechischen Künstler. 2. Autl. 
sur le 
3) VH 
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4) 
Dädale considärö 
negmzulsg, Schal. 
2 
P81- 
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