Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1195015
Bildhauer. 
Werke, an die sich sein Name knüpft, während ihn in Kreta wenigstens der 
Mythus auch mit Bauwerken in Verbindung bringt. In Sicilien, Sardinien, 
Italien überwiegen dagegen diese letzteren und nur ein Bildwerlä in Gela wird 
daneben erwähnt. Wir haben bereits gesehen, dass die Sage die Gegenwart 
des Daedalos an den meisten dieser Orte durch die Geschichte seiner YVande- 
rungen erklärt hat. Dieser Ausweg steht der Sage wohl an. Nur darf man 
von uns nicht verlangen, dass wir sie wörtlich als geschichtliche Wahrheit an- 
erkennen sollen. Vielmehr dürfen wir annehmen, dass der Zusammenhang der 
Erzählung sich erst aus einer Vereinigung ursprünglich getrennter Erscheinungen 
entwickelt hat; dass, wo an Verschiedenen Orten Verwandtes sich zeigte, die 
20 Sage dieses alles auf die eine Person des Daedalos übertrug, dass also nicht 
die Einheit des Künstlers, sondern die Verwandtschaft und Uebereinstimmung 
der Kunstgattung das Ursprüngliche war. Unsere Aufgabe ist es daher, zu er- 
mitteln, worin diese Eigenthümlichkeit daedalischer Kunst bestanden habe. 
Der Stoff daedalischer Bildwerke, wo er ausdrücklich genannt wird, ist 
immer Holz: darin also unterscheiden sie sich nicht von andern Werken der 
ältesten griechischen Kunst. Die goldene Honigscheibe auf dem Eryx ist mir 
als alt-daedalisches Werk zu verdächtig, um daraus einen Schluss auf Metall- 
arbeit des Daedalos zu ziehen 1).  Auch im Te chnischen erfahren wir nichts 
von besonderen Eigenthümlichkeiten. Die Werkzeuge, deren Erfindung die Sage 
dem Daedalos beilegt: Säge, Axt, Bleiloth, Bohrer, Leim, Fischleim 2) bilden 
die fabrica materiaria, die Werkstatt des Handwerkers, beweisen also noch wenig 
für Fortschritte der Kunst. 
Gegenstände der Darstellung sind vorzugsweise die Bilder der Götter, 
zu denen auch Herakles zu zählen ist. In welcher Gestalt sie aber gebildet 
waren, erfahren wir nur bei zweien: der Herakles zu Pisa war nackt, die 
Aphrodite zu Delos endigte unten in Gestalt einer Herme. 
WVichtiger als diese Nachrichten ist uns, was die Alten im Allgemeinen 
als Kennzeichen daedalischer Werke angeben. Am häufigsten nun hören wir 
an ihnen die täuschende Lebendigkeit rühmen: sie scheinen zu leben, Herakles 
wirft mit einem Steine nach seinem Abbilde; man muss die Bilder fesseln, da- 
mit sie nicht entlaufen 3). Alle diese Lobsprüche haben natürlich nur einen 
Sinn, wenn Wir sie auf die vorhergehende, nicht auf die nachfolgende Zeit be- 
ziehen. Denn auch ohne das Zeugniss des Plato 4) würden wir es glauben, 
dass zu seiner Zeit ein Künstler sich lächerlich gemacht haben würde, wenn 
er in der Weise des Daedalos hatte arbeiten Wollen. Vor der Zeit des Daedalos 
aber ward die menschliche Figur mit geschlossenen Füssen, eng anliegenden 
Armen und, obschon dies weniger glaublich klingt und schwerlich durchgängig 
der Fall war, mit geschlossenen Augen gebildet. Er nun öffnete dieselben, 
löste die Arme vom Körper los und liess die Füsse ausschreiten. 5) Diese Neue- 
1) Ueber gguaöw bei Kallistr. Stat. h" vgl. die Note von Jacobs. 9) Plin. 7, 
Seneca ep. 90. vgl. Varro fr. p.  ed. Bip. 3) Plato Meno p. 97. Arist. Polif. 
Lucian Philops. 19. nebst den Schal. Hesych  v. Jlcßöxzzluu. Schol. Eur. Hec. 
4) Hipp. maior. p. 382. vgl. Arist. orat. Platon. I. T. ll, p. 30. ed. Jebb. 5). Schol. 
Men. p. 97. Suid. s. v. zlrzaölälorm nowjyara. 
198. 
I. 4. 
838. 
Plat.
        

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