Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1197430
Bildhauer. 
sprechen soll, zur Bezeichnung von etwas anderem missbraucht als diese durch 
sich selbst darzustellen vermögen. 
 "Wir fragen jetzt: ist die Erfindung dieses Werkes eine vereinzelte Ver- 
irrung? ist sie charakteristisch für die künstlerische Entwickelung des Lysipp? 
oder ist sie überhaupt nur ein Zeichen der gänzlich veränderten Anschauung 
der Kunst und des Lebens zu seiner Zeit"? Seine "Werke mögen antworten. 
Plinius, dessen Absicht es war, gerade die vorzüglichsten derselben anzuführen, 
nennt in (ler Hauptstelle nur ein einziges Götterbild: den Sonnengott, und zwar 
ist dieses eine quadriga cum Sole Rhodiorum, so dass sich die Behauptung 
aufstellen liese, das Gespann sei künstlerisch mindestens eben so wichtig 
368 gewesen, als der Gott. Der Zeus und der Herakles der Tarentiner verdanken 
ihre Erwähnung bei Plinius, wie bei anderen Schriftstellern der Alten, zumeist 
ihrer kolossalen Grösse. Ausserdem werden einige Götterbilder hie und da 
genannt, aber ohne eine besondere Auszeichnung. welche erlaubte, bei ihnen 
gerade das Verdienst einer eigenthümlichen Auffassung vorauszusetzen: denn 
die Statuen des Herakles werden wir nicht als Götterideale im strengen Sinne 
gelten lassen dürfen. Wie ihn Lysipp darstellte, war er vor Allem ein Bild 
 körperlicher Kraft. 
Auf diese beiden Thatsachen, einer Seits, dass seine Götterbiltler weder 
durch geistige Vorzüge, noch durch Neuheit der Auffassung die Aufmerksam- 
keit der Alten in Anspruch nahmen, und anderer Seits, dass der einzige Ver- 
such, etwas durchaus Neues zu schaffen, der Kairos, ein missglückter genannt 
werden muss, gründen wir nun die Behauptung, dass dem Lysipp überhaupt 
diejenige künstlerische Phantasie gefehlt habe, welche zur Schöpfung geistiger 
Ideale nothwendig war, welche namentlich den Ruhm des Phidias ausmachte. 
Aber wir haben gesehen, dass auch das physische, animalische Leben in der 
Kunst zum Ideal erhoben, rein von der idealen Seite erfasst und dargestellt 
werden kann. Die Werke des Myron lieferten uns den Beweis. An diese aber 
hier noch besonders zu erinnern, zwingen uns verschiedene Gründe. Die Enmwa, 
vivida signa dieses Künstlers laden zu einer Vergleichung mit denen des Lysipp 
ein, wenn es nach Properz (III, 7, 9) heisst: 
Lysippi 
animoszm 
effin gere 
sigma. 
Die taumelnde Flötenspielerin dieses letzteren erscheint wie ein Seiten- 
stück zu der trunkenen Alten des Myron; das ungezäumte Pferd des einen 
stellt sich durch seine Lebendigkeit der Kuh des andern zur Seite. Jene 
berühmte, ihre Wunden leckende Hündin aber, ein Wunder der Kunst wegen 
der indiscreta veri similitudo 1), durften wir nicht einem der beiden Künstler 
lieber, als dem anderen beilegen: so sehr schien das ihr gespendete Lob beiden 
auf gleiche Weise zu gebühren. Und dennoch werden wir auf die Frage, 0b 
die Aehnlichkeit zwischen Myron und Lysipp auf einer tieferen geistigen Ver- 
wandtschaft beruhe, ob sie eine durchgreifende, vollständige sei, verneinend 
antworten müssen. Wir verweisen auf den Ladas, den Diskobol des Myron: 
Werke von dieser Lebendigkeit der Bewegung, in welchen auch der kleinste 
Theil dem Zwecke untergeordnet erscheint, einen einzigen scharf abgegrenzten
        

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