Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1197379
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Bildhauer. 
später auf die Statue oder deren Gopie gesetzt worden sei. Doch hätte man 
sich dabei nur so lange beruhigen dürfen, als nicht andere Nachrichten dagegen 
sprachen. Nun aber scheint erstens Pausanias das Leben des Künstlers wenig- 
stens als über Ol. 114, 2 hinausreichend anzunehmen. Denn da erl) in der 
Inschrift einer Statue des Gheilon aus Patrae, einem Werke des Lysipp, die 
Angabe fand, derselbe sei im Kriege gefallen, so fügt er hinzu, es könne damit 
ebensowohl der Lamische Krieg, als die Schlacht von Ghaeronea gemeint sein. 
Dazu kommt noch eine Erzählung bei Athenaeus 1), nach welcher Lysipp dem 
Kassander zd Gefallen, als er Kassandreia gründete, eine besondere Art von 
Thongefäissen für den aus dieser Stadt in Massen ausgeführten mendaeischen 
Wein erfunden habe. Wollen wir dieselbe nicht gänzlich verwerfen, wozu doch 
an sich nicht hinreichender Grund vorhanden ist, so gewinnen wir dadurch eine 
Zeitbestimmung, welche uns auf O1. 116, 1, das Jahr der Gründung von Kas- 
sandreia, zurückführt 3). Damit steht aber auch die Zeit seiner Söhne und 
Schüler im besten Einklange: denn Plinius setzt deren Blüthe erst in die 
121ste Olympiade. Hinsichtlich der Statue des Troilos bleibt uns endlich immer 
die Annahme offen, dass Lysipp sie längere Zeit nach dem Siege gemacht habe, 
wie es ja auch mit einer anderen Statue von seiner Hand, derjenigen des Poly- 
damas von Skotussa, der Fall sein musste, da derselbe bereits Ol. 93 zu Olympia 
gesiegt hatte 4). Dass übrigens Lysipp ein hohes Alter erreichte, können wir 
daraus schliessen, dass er in einem Epigramme 5) als yäowv bezeichnet wird. 
360 Ueber das Lebensende des Künstlers bemerkt Petronius S), er sei durch zu grosse 
Hingebung an die Vollendung eines einzelnen Werkes aus Mangel gestorben 
(Lysippum statuae unius lineamentis inhaerentem inopia extinxit). Dem wider- 
spricht jedoch in doppelter Hinsicht, was Plinius7) berichtet: Lysipp habe 
1500 Werke gemacht, so viele wie kein anderer, und alle von solcher Kunst, 
dass auch einzelne genügt hätten, ihn berühmt zu machen. Ihre Zahl sei nach 
dem Tode des Künstlers offenbar geworden, als der Erbe eine Sparkasse er- 
brochen, in welche Lysipp von der Bezahlung jedes WVerkes regelmässig je einen 
Golddenar zurückgelegt habe. Und sind von dieser ungeheuren Masse nur die 
folgenden bekannt: 
Ein eherner Koloss des Zeus zu Tarent von vierzig Ellen Höhe. „Be- 
wundernswerth ist an ihm, dass er mit der Hand zu bewegen sein soll  so 
ist das Gleichgewicht abgemessen  und doch von keinem Sturme erschüttert 
wird. Das soll auch der Künstler schon vorgesehen haben, indem er in einem 
mässigen Zwischenraume, wo sich der Strom des Windes hauptsächlich brechen 
musste, eine Säule aufstellte. Deshalb, Wegen der Grösse und wegen der Schwierig- 
keit, ihn von der Stelle zu schaffen, hat ihn auch Fabius Verrucosus nicht an- 
gerührt, als er den Herakles auf demGapitol von dort herüberschaffte": Plin. 34,40. 
Dass der Koloss einen Zeus darstellte, sagt Lucilius (bei Nonius s. v. eubitus): 
_Lysippi Juppiter ista 
quadraginta (zubita altu' Tarento. 
tmnsivit 
p. 784 
34, 37. 
Diod. 
XIX, 
Paus. 
XII: 
III,
        

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