Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194995
(lhauer. 
auf welches in Ermangelung näherer Kenntniss der Name des Daedalos über- 
tragen ward. Anstoss muss es erregen, wenn es heisst, dass daran mensch- 
liche Bilder (civöguctirrsg), Löwen und Delphine gemalt (YSYQCZlIfAUäVOL) gewesen 
seien. Doch bedarf es nur einer geringen Veränderung (ysylvgzizävoi), um aus 
den Bildern Reliefs zu machen. 
Die bisher genannten Werke legte wenigstens das Alterthum mit Be- 
stiinmtheit dem alten Daedalos bei. Zweifelhafter ist es bei den folgenden: 
1) Eustathius (ad Dion. Periegx 793) fand bei Arrian ein bewunderns- 
werthes Bild (äavnaardv ülyalna) des Zeus Stratios zu Nikoinedia in Bi- 
thynien als ein Werk des Daedalos erwähnt. Nun wäre es zwar nicht wunder- 
bar, wenn sich die Sage von dem älteren Künstler auch nach Kleinasien ver- 
breitet hätte. Aber zu Ephesos hat sich die Basis von einem Werke des jün- 
geren Daedalos gefunden, der gegen O1. 95 lebte und daher mit grössereni 
Rechte für den Künstler dieses Zeusbildes gehalten werden darf. Dasselbe gilt 
2) von einem Werke (einem Arternisbilde?) zu Monogissa in Karien, 
von dem in einer lückenhaften Stelle des Stephanus Byzantius (s. v. JWOPÖYLUUCZ) 
die Rede ist. 
8) Derselbe (s. v. Hlexrpiöeg vrjaot) berichtet ferner, dass auf den Bern- 
steininseln zwei Bildsäulen des Daedalos und Ikaros sich befinden. Allein 
er sagt nicht ausdrücklich, dass sie Werke des Daedalos seien. 
 4-) Endlich ist hier von dem Ghortanze zu handeln, welchen Daedalos 
der Ariadne verfertigt haben soll. Homer nemlich lässt den Hephaestos auf 
dem Schilde des Achilles einen Chor bilden: roj Zxsluv, oidv rzor" ävi Kvomqi 
süoaig; Aatöalog wjoxqosr xalhmloxrtitcg "dgrdövy (Il. 2 591), Pausanias aber führt 
diesen Chor als ein Relief in Marmor unter den Werken des Daedalos an (IX, 40, 3). 
Trotz dieser Autorität hat man indessen gezweifelt, sowohl ob das von Pausa- 
nias erwähnte Relief von der Hand des Daedalos sei, als auch ob man bei den 
Worten des Homer überhaupt an ein Kunstwerk zu denken habe. Und mit 
Recht. Was zuerst den Slarachgebrauch von dem, anlangt, so führt Thiersch 
(Ep. Anm. S. 19) zwar an, dass es Homer bei der Verfertigung eines Bogens, Bechers, 
eines Tbrones anwendet. Damit lässt sich indessen der Ausdruck xopöv rjoxnoev 
nicht vergleichen. In den angeführten Beispielen ist es immerein Stoff, eine 
Sache, die bearbeitet wird, hier dagegen eine Handlung, welche dargestellt 
werden soll. Der Dichter hätte demnach hinzufügen müssen, von welcher Art 
das Werk gewesen, an dem der Chor gebildet war, welchem Zwecke es dienen 
sollte. Denn dass Daedalos den Chor rein als ein für sich bestehendes Kunst- 
18 werk gebildet haben sollte, widerspricht der Weise homerischen Lebens. Was 
bei Homer von kunstreicher Arbeit erwähnt wird, befindet sich an Geräthen, 
Waffen u. s. w., dient also einem praktischen Zwecke oder ist dem Cultus der 
Götter geweiht. Eben darum erregen auch die Worte xaklmloxdgzg Qigrdöry 
noch besonderen Anstoss. Was sollte Ariadne mit dem Chortanze thun, wozu 
sollte er ihr dienen? Dies hinzuzufügen hätte Homer sicher nicht unterlassen, 
sofern er von einem Kunstwerke spräche. Gewiss richtiger ist daher die Er- 
klärung, welche Eustathius und die Scholien zu der betreffenden Stelle der 
Ilias geben: Daedalos habe den Chor eingeübt, welcher von Ariadne, Theseus 
und dessen Begleitern nach der Besiegung des Minotauros und der Befreiung
        

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