Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1197281
Die 
Streben 
ihrem 
griechische Kunst 
äusserer 
nach 
WVahrheit. 
24-3 
sowie 
auf 
den Darstellungen 
der Wesen 
3115 
der Begleitung 
dieser 
und 
anderer 
Gottheiten.  
In Betracht dieser Analogien werden wir, wenn wir überhaupt das Unter- 
Scheidende der beiden Künstler auffinden wollen, mehr in Einzelnheiten eingehen 
und untersuchen müssen, unter welchen verschiedenen Gesichtspunkten sie ver- 
wandte Aufgaben aufgefasst und behandelt haben. Und da natürlich auch für 
Praxiteles gilt, was wir bei Skopas über ein blosses Anschliessen an die Muster 
der vorhergehenden Kunstepoche gesagt, so werden wir unsere Untersuchungen 
am besten an ein YVerk knüpfen, welches gewiss deshalb zu so ausserordent- 
lichem Ansehen gelangt ist, weil es der geistigen Eigenthümlichkeit des Künst- 
lers am meisten entsprach, nemlich die knidische Aphrodite. Eine Reihe von 
Epigrammen können wir zunächst ganz unberücksichtigt lassen 1). Sie enthalten 
nichts als Variationen auf das Thema: Praxiteles müsse die Göttin selbst gesehen 
haben, nicht schöner könne sie dem Paris erschienen sein; der Stein sei Fleisch 
geworden u. s. w. Wichtiger sind uns die Schilderungen Lucians an zwei ver- 
schiedenen Stellen, welche sich gegenseitig ergänzen. Die erste 2) enthält Fol- 
gendes: „Die Göttin steht in der Mitte des Tempels, aus parischem Stein das 
schönste Kunstgebilde, hoch erhaben und den Mund ein wenig wie zu leisem 
Lächeln öffnend. Ihre ganze Schönheit steht frei da, kein Gewand umhüllt sie, 
nur bedeckt sie wie unwillkürlich die Schaam mit der einen Hand. So weit 
aber erstreckte die bildende Kunst ihre Macht, dass durch sie die Widerstand 
leistende und harte Natur des Steins für alle Glieder passend erschien." Nach- 
dem darauf der Erzähler sich nach der hinteren Thür des Tempels gewendet 
hat, um von dort aus den Rücken der Göttin zu beschauen, geräth namentlich 
der eine seiner Begleiter, welcher nach Lucians Schilderung diesen Theilen seine 
besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden pflegte", in lebhaftes Entzücken. Er preist 
nicht nur die Eurhythmie zwischen den Schultern, die fein abgemessenen Rhyth- 
men des Hüftgelenkes und der Schenkel bis herab zum Fusse, sondern auch 
die Behandlung; der fleischigen Theile, die Linien ihrer Umrisse, ihre Anfügung 
an die Knochen, sowie ihre wohlberechnete Fülle und Rundung.  Die zweite 
Stelle ist dieselbe, welche uns schon mehrfach beschäftigt hat, weil in ihr die 
einzelnen Schönheiten mehrerer anderer Musterwerke griechischer Kunst ange- 
geben werden 3). So heisst es darin von der knidischen Aphrodite: „_Von ihr 
möge zu dem gewünschten Musterbilde nur der Kopf genommen werden, da sich 
von dem übrigen Körper wegen der Nacktheit kein Gebrauch machen lässt. Die 
Parthien um Haar und Stirn und die schöne Zeichnung der Augenbrauen bilde 
man wie Praxiteles, und ebenso befolge man in Darstellung des Feuchten, so wie 
des hellen Glanzes und der Freundlichkeit der Augen dasselbe Vorbild    Das 
Alter aber, nach welchem Maasse soll es wohl angenommen werden? gerade 
wie bei der Knidierin; und darum richte man sich auch hierin nach Praxiteles." 
In diesen Schilderungen Lucians mögen wir immerhin von der stark sinn- 
lichen Färbung, namentlich bei Beschreibung der hinteren Seite, etwas in Ab- 
zug bringen; dennoch bleiben sie bezeichnend genug, wenn wir sie mit den 
111, 
JL" 
04 
31 
308,
        

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