Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1197133
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Bildhauer. 
Sikyon, Elis, Gortys, Tegea; auf die Inseln Knidos und Ghryse; auf Samothrake; 
in Kleinasien auf Ephesos und Halikarnass. Diese Erscheinung dürfen wir um 
325 so Weniger übersehen, als die frühere Periode der Kunst uns deutlich zeigt, 
wie die Thätigkeit der einzelnen Schulen auch räumlich auf gewisse Gebiete 
beschränkt blieb. 
Ein zweites Zeugniss für den Ruhm des Künstlers bietet die grosse Zahl 
der Werke, von denen Nachricht bis auf unsere Zeit gekommen ist. Ausserdem 
sind einzelne Aussprüche grossen Lobes bereits erwähnt, jedoch nur Lobsprtiche 
allgemeiner Art. Leider fehlt uns dagegen bei Plinius eines jener kurzen Ur- 
theile, die um so kostbarer sind, je vorzüglicher die Quellen waren, aus denen 
er schöpfte. Pausanias enthält sich, wie gewöhnlich, eines eigentlichen Kunst- 
urtheils. Gicero, Quintilian, Lucian schweigen über das Verdienst dieses Künst- 
lers. Nur Gallistratus und einige Epigramme liefern einzelne Winke über ein 
einziges Werk. Unsere Untersuchung verliert dadurch leider viel von der so 
sehr wünschenswerthen Sicherheit der Grundlage: wir sind fast ganz auf Ab- 
straction aus der Natur der dargestellten Gegenstände angewiesen. Doch finden 
sich zum Glück darunter mehrere von einer so scharf ausgeprägten, charak- 
 teristischen Art, dass wir auf sie mit hinreichender Zuversicht Schlüsse bauen 
dürfen. 
Schon früher ist bemerkt worden, dass unter allen Werken des Skopas 
nur-eines aus Erz angeführt wird; und selbst bei diesem blieb wenigstens ein 
leiser Zweifel, ob es_nicht gerade deshalb einem älteren Skopas beizulegen sei. 
Mag aber auch dieser Zweifel unbegründet sein: die Thatsache, dass Plinius 
nur von Marmorwerken spricht, dass bei allen übrigen der Stoff, wo er an- 
gegeben wird, immer Marmor, attischer oder parischer, ist, genügt zum Beweise, 
dass Skopas so ausschliesslich in Marmor arbeitete, wie in der vorigen Periode 
(wenn wir nicht auf Grund weniger Zeugnisse Agorakritos ihm vergleichen 
wollen) kein einziger Künstler. Dass er dieses Material aber vollkommen be- 
herrschte, werden wir später erfahren. Hier sei zuerst nur die angeführte That- 
sache einfach als solche hingestellt. 
Ueber seine Kenntniss, das Verständniss und die Behandlung der Form 
sind wir so gut wie gar nicht unterrichtet, und zwar aus demselben Grunde, 
der uns bei Phidias die gleiche Lücke in der Ueberlieferung hat erklären müssen. 
Skopas war ein Künstler, welcher die blosse Form dem geistigen, poetischen 
326 Gehalte unterordnete. Kein Portrait, keine athletische, keine rein geschicht- 
liche Darstellung wird unter seinen Werken genannt. Götter, Halbgötter, seltener 
Heroen oder Handlungen der heroischen Geschlechter sind die Gegenstände, an 
welchen sich seine Kunst erprobt. Aber welche Götter, welche Heroen? Zwar 
finden wir die Ideale der einzelnen grossen Götter, des Apollo, Ares, der Aphro- 
dite, Athene; ausserdern aber auch Figuren oder ganze Figurenreihen aus dem 
Kreise, aus der Umgebung der Aphrodite, des Apollo, Dionysos, Poseidon, 
d. h. ausser den scharf ausgeprägten einzelnen Individualitäten ganze Gattungen, 
welche sich um jene ersteren gruppiren, das Wesen derselben in einzelnen Rich- 
tungen naher bezeichnen. Diese Thatsache, welcher wir noch bei keinem der 
früheren Künstler begegnet sind, mag- hier als der zweite feste Punkt in der 
Erörterung über Skopas hingestellt sein.
        

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