Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194978
Bildhauer. 
der Künstler 1). Die Sage geht noch einen Schritt weiter und macht ihn zum 
Sohn oder Enkel des Eupalamos oder Palamaon i), des tüchtigen Handarbeiters: 
denn die Kunst ist eine Tochter des Handwerkes. Weniger auf die Kunst, als 
auf den Ruhm und die Klugheit des Künstlers bezieht es sich, wenn als Eltern 
des Daedalos Euphemos und Phrasimede genannt werden 3). Einer andern 
Genealogie liegt offenbar die Absicht zu Grunde, seinen Ruhm mit dem der 
herrlichsten Geschlechter zu verbinden, denen Athen die Grundlagen seiner Ver- 
fassung und damit seiner Gultur verdankt. Deshalb heisst er Sohn oder Enkel 
des Metion, der, wie Eupalamos, Sohn des Erechtheus genannt wird 4); so ferner 
Sohn der Merope, einer Tochter desselben Königs, und darum Wieder Vetter 
des Theseus 5); endlich Sohn der Alkippe, die wir aus attischen Mythen als 
Tochter der Agraulos kennen   Allen diesen Abstammungen zufolge ist also 
sein Vaterland Athen; und Athen ist auch sonst in der Sage der Ausgangs- 
punkt seines Ruhmes 7). Wird er aber daneben ausnahmsweise als Kreter i) 
bezeichnet, so erklärt sich dies hinlänglich aus seinem Aufenthalte auf dieser 
Insel. Aber sein Ruf war weit verbreitet; und um seine Thätigkeit an so vielen 
weit von einander entfernten Orten zu erklären, kam man zu der Annahme, 
dass er ein unstätes YVanderleben geführt habe. Was wir darüber erfahren, 
hat in den verschiedenen Sagen, wenigstens in den Hauptpunkten, eine feste 
übereinstimmende Gestalt angenommen. Die Ausführung in allen Einzelnheiten 
ist natürlich für die Kunstgeschichte ohne Bedeutung und kann daher hier über- 
gangen werden. 
Daedalos muss Athen wegen eines Verbrechens verlassen: er ermordet 
seinen Neffen Talos, Kalos oder Perdix, weil dieser durch die Erlindung 
des Zirkels und der Säge den Künstlerruhm des Oheims zu verdunkeln drohte 9). 
S0 gelangt er nach Kreta, wo er für Minos und zum Verderben desselben für 
Pasiphae und Ariadne thätig istlo). Dies zwingt ihn zu neuer Flucht, und er 
wendet sich nach Sicilien zum König Kokalos 11), oder erreicht, sei es direkt, 
sei es auf einem Umweg über Sardinien 12), Cumae in Gampanien 13), von wo 
sich sein Ruf über einen grossen Theil Italiens erstreckte 14). Andere Sagen lassen 
ihn aus Kreta wieder nach Athen zurückkehren 15) oder nach seiner Flucht in 
Theben und Pisa thätig sein 1G). In keiner Verbindung aber mit der Geschichte 
1) Pans. IX, S, 2. 2) Paus. l. 1. Apoll. III, 15, 9. Sohol. Plat. rep. VIII, p. 529. Suidas. 
 v. JTsTQJLzo; fegdw. Hyg. fab. 244. 274. 3) Schol. Plat. 1. I. Hyg. fab. 39. Serv. ad. Virg. 
Aen. VI, 14. 4) Plat. Jo p. 533. Apoll. 1. I. Pans. VII, 4, 5. Diod. IV, 75. SchtJLSoph. Oed. 
C01. 463, wo als Mutter Iphinoä genannt wird. 5) Plut. Thes. 15). Ü) Apoll. I. I. 7) Vgl. 
Philost. sen. imagg. I, 16. 8) Eust. ad I1. Z 592. (Jrortynius aliger: Auson. Mosella. 301. 
9.) Apoll. III, 1, 4: I5, 9. Pans. I, 21, 4; 26, 4; VII, 4. 5. Suid. 1. I. Hygin. fab. 39: 244. 
Serv. I. 1. Ueber die mythologische Bedeutung dieser lllrzähluxig vgl. Mercklins Abhandlung 
über die lhalossage in den Schriften der Petersburger Akademie 1851. m) Ausser den 
angef. Stellen auch PauS. VIII, 53, 8. Strabo X, p. 477. n) Herod. VIII, 170. Phob. Bibl. 
p. 135 Bekk. 'I'heon. progynin. p. 1G Heins. Schol. Pind. Nem. IV, 95. Schol. I1. B143. 
ELISII. ad I1. P 220, wo den 'I'öchtern des Kokalos fälschlich die lllrmordung des Damedaloß 
anstatt des Winos schuldgegeben wird. Ovid. Met. VIII, 1-35) sqq. Hyg. fab. 40; 44. 
12) Pans. X, 17, 4. Diod. IV, 30. Serv. ad Virg. Aen. VI, 14: Her-wg. I, 14. I3) Virg. 
und Serv.1.I. Sil. Ital. XII. 102. 14) Paus. VII, 4, 7. Die Jalivgier betrachten Daedalos 
zllS ihren Stannnvater: Strabo VI, p. 279. Plust. ad Dion. Perieg. 379. Mart. Capell. V1. 
1") Plnt. Thes. 19. Hygin. fab. 40. m) S. n. 6 u. 7 seiner Werke und Schol. Arist. Nlll). 508.
        

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