Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1197080
Die 
Kunst in 
griechische 
ihrem 
nßch 
Streben 
äusserer 
ÄVahllleit. 
223 
wurde. Erst Lysipp erkannte, auf Welche Weise, sofern ein Theil des poly- 
kletischen Systems aufgegeben wurde, eine neue, in sich abgeschlossene Einheit 
hergestellt werden könne. Darüber wird jedoch ausführlicher erst bei Gelegen- 
heit dieses Künstlers gehandelt werden. Hier sei nur soviel bemerkt, dass jenes 
Aufgeben des früheren Systemes überhaupt nicht auf einer tieferen Erforschung 
und Erkenntniss der Natur, sondern darauf beruhte, dass man an die Stelle 
der wirklichen Maasse die scheinbaren, nach dem Augenmaasse angenommenen 
setzte, welche, wie sie zum Theil auf Täuschung beruhen, auch bei dem Be- 
schauer Täuschung hervorzubringen im Stande sind, auf jeden Fall aber die 
innere Wahrheit dem Streben nach Illusion aufopfern. Wie weit dies bei 
Euphranor der Fall War, können wir freilich nicht im Einzelnen nachweisen. 
Ja, unsere Behauptung, dass es so war, könnte sogar als zu wenig begründet 
erscheinen, wenn nicht theils die Stellung Euphranors als Maler, theils die 
Geschichte gleichzeitiger und nachfolgender Künstler noch nachträglich den 
Beweis dafür liefern würde. 
Skopns. 
-Skopas war von der Insel Paros gebürtig" 1). Zur Bestimmung der Zeit, 
in welcher er lebte, dient erstens die Angabe,- dass er nach dem Brande des 
älteren Tempels der Athene Alea zu Tegea Ol. 96, 2 den Neubau leiteteä); 
0b derselbe freilich unmittelbar nach diesem Ereigniss begonnen wurde, ist 
Iiicht ausgemacht. Wir müssen daher grösseren YVerth auf eine zweite Nach- 
richt legen: dass nemlich Skopas zu den am Grabmal des Mausolos beschäftig- 
ten Künstlern gehörte. Denn dieses Werk wurde sicher alsbald nach dem 
Tode des Königs, Ol. 107, 2 nach Plinius, Ol. 106, 4 nach Diodor 3) begonnen, 
da es bei dem zwei Jahre später erfolgten Tode seiner Gtemahlin Artemisia 
schon so weit vorgerückt war, dass die Künstler beschlossen, um ihres eigenen 
Ruhmes willen die angefangene Arbeit nicht liegen zu lassen 4). 
Eine Weitere Bestätigung für diese Zeit hat man aus der Erzählung des 
Plinius über den Tempel der ephesischen Artemis herleiten trollen, der bekanntlich 
in der Nacht der Geburt Alexanders Ol. 106, 1 abbrannte, aiber bald nachher 
wiederhergestellt wurde. Dort heisst es nernlichl"): columnae centum viginti 
septem    LX pedum altitudine, ex iis XXXVI caelatae, una a Scopa; operi 
praefuit Chersiphron architectus. Allein ist das Behauen einer Säule eine des 
Skopas würdige Arbeit, und würde sie eine besondere Erwähnung verdienen? 
tVollten wir aber nach einem von seinem Urheber Sillig selbst kaum noch 319 
gebilligten Vorschlage lesen: Una Scopa operi etc., so werden wir nur noch 
mehr auf das Unpassende der Erwähnung des Skopas hingewiesen. Denn die 
ganze Erzählung des Plinius handelt bestimmt nur von dem alten Baue zur 
Zeit des Kroesos. Demnach scheint noch immer die Emendation iVinckelrnanifs G): 
XXXVI caelatae uno e scapo. den besten, ja überhaupt erst den richtigen Sinn 
zu gewähren, indem nun die 36 monolithen Säulen den tibrigen passend ent- 
gegengesetzt werden. 
1) Strabo 
O1. 107, 2. 
fasti 
XIII, 11.604 C; Paus. VIII, 45 
4) Plin. 86, 30 u. 31. 5) 36, 
vgl. Clinton
        

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