Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1197051
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Die 
Bildhauer. 
mit grosser Schärfe und Klarheit geltend macht, hatte sie selbst ein festes 
Gesetz gewonnen und sich mit Sicherheit frei und unabhängig zu bewegen ge- 
lernt. Aehnliches begab sich auf dem Gebiete der Malerei: auch sie suchte 
sich von den beschränkenden Forderungen der Architektur zu befreien und 
selbständiger auszubilden, früher freilich mehr in Ansehung der Gomposition 
und Zeichnung, als der Farbe und Schattengebung. Die Vollendung der Sculptur, 
welche jetzt mit der Natur in ihren schönsten Bildungen wetteiferte, musste 
nun aber auffordern, mit den relativ bedeutenderen Hülfsmitteln, welche der 
Malerei für die Nachahmung der Natur zu Gebote stehen, Gleiches zu wagen. 
Allein Farbe, Licht und Schatten und deren Wirken auf die Gegenstände sind 
wandelbar und vielfachen Wechseln unterworfen. Es konnte daher nicht aus- 
bleiben, dass man aniing, statt mit der Wirklichkeit mit dem Scheine derselben 
zu wetteifern und geradezu Täuschung; zu Versuchen. Wir werden in der Ge- 
schichte der Maler sehen, dass dieser Umschwung namentlich durch den Ein- 
314 fluss des Zeuxis um die 9Oste Olympiade wirklich stattfand. Damals löste sich 
auch die Malerei gänzlich von der Architektur los; und der Ruhm der Künstler 
knüpft sich nicht mehr ausschliesslich an Wandmalereien, sondern vorzugs- 
weise an Staffeleibilder. S0 geschah es, dass in dem Nachbilden der sinn- 
liehen äusseren Natur die Malerei der Sculptur voranzueilen begann. Die Rück- 
wirkung blieb nicht aus. Statt, wie bisher, das innere Wesen, aus dem Wesen 
des Organismus entwickelte vollkommene Gestalten zur Darstellung zu bringen, 
begann auch die Skulptur ihr Augenmerk auf die äussere Erscheinung zu richten, 
nach dem Scheine der Wirklichkeit zu streben. Und damit uns das Wechsel- 
verhältniss zwischen den beiden Künsten recht augenscheinlich werde, so ist 
der erste Künstler, an welchem uns die neue Richtung mit Entschiedenheit ent- 
gegen tritt, ein nicht minder ausgezeichneter Maler als Bildhauer. 
Vierter 
Abschnitt. 
Die 
griechische 
Kunst 
in 
ihrem 
Streben 
nach 
äusserer 
Wahrheit. 
Euphranor. 
Euphranor war vom Isthnios gebürtig" und blühete von der Zeit bald nach 
O1. 100 bis wenigstens zu den Jünglingsjahren Alexanders von Macedonien. 
Da er als Maler in engem Zusztinnienhange mit einer berühmten Schule steht, 
so lässt sich erst dort seine künstlerische Eigenthümlichkeit mehr im Einzelnen 
nachweisen und eine feste Ansicht über dieselbe begründen. Hier müssen 
einige einfache Andeutungen über den Charakter dieses bedeutenden Künstlers 
genügen. Bedeutend zeigt er sich zunächst durch seine Vielseitigkeit: er war 
Maler und Bildhauer, arbeitete in Metall und in Itlarmor, bildete Kolosse und 
cisellirte Becher, schrieb Bücher über Symmetrie und Farben, „gelehrig' und
        

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