Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1196970
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Die 
Bildhauer. 
Messene schliesst sich der attischen Schule, sowohl in Betreff der ausschliess- 
lichen Behandlung religiöser Gegenstände, als hinsichtlich der Technik an: er 
giebt dem Marmor, Welcher seit den umfangreichen Tempelsculpturen in Attika 
302 immer mehr in Aufnahme kam, den Vorzug vor dem Erze; er arbeitet selbst 
in attischem Marmor; seine Kenntniss der Sculptur in Gold und Elfenbein, 
welche er durch die Restauration des Zeusbildes zu Olympia bethätigt, erklärt 
sich am einfachsten aus dem Zusammenhange mit der Schule des Phidias. 
Als Schüler des Myron wird ausdrücklich zwar nur ein einziger Künstler, sein 
Sohn Lykios, angeführt. Aber zu dessen Knaben, Welcher Feuer anbläst, 
liefert Styppax, man möchte sagen, ein Seitenstück durch den Splanchnoptes. 
Eben so wenig liess sich in manchen Werken des Kresilas und Strongylion 
die Verwandtschaft mit Myron verkennen. Selbst die Kunst eines Demetrios 
scheint demselben nicht fremd, wenn sie auch in ihrer besonderen Ausbildung 
in den vollständigsten Naturalismus umschlug. Dass dies in einem einzelnen 
Falle geschah, konnte uns nicht Wunder nehmen; aber eben so wenig kann 
es uns auffallen, dass dieser Künstler zunächst ganz vereinsamt blieb: es ist 
dieses nur ein Zeugniss mehr für die Behauptung, dass in der ganzen attischen 
 Kunst dieser Periode der Idealismus unbedingt herrschte. 
Die beiden Richtungen innerhalb desselben scheiden sich im Ganzen sehr 
scharf. Die Schüler des Phidias bilden Götter oder schmücken deren Tempel. 
Die Ideale des Zeus und der Athene namentlich waren von Phidias für immer 
festgestellt. Wem dieses Verdienst im Besonderen bei den anderen Götter- 
gestalten beizulegen ist, vermögen wir aus unseren unzureichenden Quellen 
nur selten nachzuweisen. Nur darüber belehrt uns auch eine flüchtige Betrach- 
tung, dass die Autfassungv überall eine ernste und strenge war. Die Ideale der 
nackten Aphrodite, des jugendlich weichen Dionysos u. A, von denen unzählige 
Wiederholungen auf uns gekommen sind, gehören erst der folgenden Periode 
an. Noch weniger finden wir die untergeordneten Wesen aus der Begleitung 
der grösseren Götter jetzt schon in selbständiger Bedeutung von der Kunst 
gebildet. Sie erscheinen ihrem Wesen gemäss auch in der Kunst noch unter- 
geordnet, so namentlich in Tempelgiebeln. Dasselbe gilt von der Heroenbildung, 
und in noch höherem Grade von der Darstellung wirklicher Menschen. Schon 
bei Phidias ist sie nur eine Ausnahme: unter den Werken seiner Schüler finden 
wir eine einzige Athletenfigur, den Enkrinomenos des Alkamenes.  Zeigt sich 
303 demnach die Kunst der Schüler des Phidias in dem Kreise ihrer Wirksamkeit 
im engsten Sinne als die Fortsetzung der Kunst des Lehrers, so dürfen wir 
dasselbe gewiss auch in Hinsicht auf formelle und technische Behandlung 
voraussetzen. Und in der That, wie wir bei Phidias nur wenig über Vorzüge 
der Form als ein besonderes Verdienst zu sprechen Veranlassung hatten, weil 
dieselbe überall mit der geistigen Idee im engsten Zusammenhange stand, so 
haben wir auch bei der Betrachtung seiner Schüler nur einmal der plastischen 
Rhythmik als einer Eigenschaft der Werke des Alkamenes Erwähnung gethan. 
Auch in der Technik ist die Schule so vielseitig, als der Meister: neben der 
Bronze gewinnt der Marmor grössere Bedeutung, und Werke aus Gold und 
Elfenbein sind, wenn auch nicht ausschliesslich, doch vorzugsweise dieser 
Schule eigenthümlich.
        

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