Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1196960
Kunst 
griechische 
ihrer 
höchsten 
geistigen 
Entwickelung: 
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älteren sikyonischen Schule des Aristokles. Dagegen sind die alten Kunst- 
schulen von Samos, Chios, Aegina, Korinth, Lakedaemon, wenn wir von dem 
wenig bekannten Philotimos aus Aegina und von Gorgias aus Lakedaemon 
absehen, gänzlich vom Schauplatze verschwunden. In Theben finden wir aller- 
dings eine Reihe von Künstlern, aber keinen von solcher Bedeutung, dass er, 
wie der gleichzeitige Maler Aristides aus dieser Stadt, eine Schule von eigen- 
thümlicher Richtung: begründet oder einen bedeutenden Einfluss auf andere 
Orte geübt hätte; vielmehr scheinen sich die beiden tüchtigsten, Hypatodoros 
und Aristogeiton, dem einen der grossen Mittelpunkte, der argivischen Kunst, 
genähert zu haben. Das Wirken des Pythagoras lässt sich nur in einem einzigen 
Schüler, seinem Neffen Sostratos, verfolgen. Die wenigen Künstler, welche 
ausserdem noch genannt werden, stehen durchaus vereinzelt. Fragen wir daher 
nach der Entwickelung der Kunst in dieser Periode, so haben wir es nur mit 
der Kunst von Athen und Argos zu thun. Wir betrachten daher zuerst jeden 
dieser Orte für sich, gehen sodann zu einer Vergleichung beider unter einander 
über, und suchen zum Schlusse nachzuweisen, aus welchen Gründen gegen 
das Ende dieser Periode ein Stillstand eintritt, und erst nach diesem eine 
Entwickelung von ganz neuen Ausgangspunkten aus beginnt. 
Athen. Wo ein gewaltiger Geist eine neue Bahn gebrochen hat, da 
werden wir fast immer der Erscheinung begegnen, dass die jüngeren Zeitgenossen 
und nächsten Nachfolger in diese Bahn hineingezogen werden, dem bewälti- 
genden Einflüsse des grossen Vorbildes sich nicht zu entziehen vermögen. Attika 
hatte am Anfange dieser Periode fast gleichzeitig zwei Geister erzeugt, welche 
einer und derselben Kunst nach zwei verschiedenen Richtungen hin durchaus 
neue Grundlagen gaben: Phidias und Myron. Vorwurf der Kunst bei dem 
einen war das höchste geistige, bei dem anderen das höchste körperliche Leben. 
Aber obwohl sonach ihre Bestrebungen tiuf zwei verschiedene Punkte gerichtet 
waren, so hatten doch Beide wieder das miteinander gemeinsam, dass sie durch- 
aus nach ldealität strebten. Beide schaffen ihre Gestalten von innen heraus 
nach einer Idee; die Formen des Körpers sind ihnen nur 'l'rä.ger derselben. 
Aeusseren Reiz und Anmuth als für sich bestehende Vorzüge kennen sie nicht: 
die Schönheit, nach welcher sie allein streben, ist durch das Wesen jener Idee 
streng begrenzt und bedingt. In derselben Richtung aber bewegt sich "die 
gesammte attische Kunst dieser Periode; und alle Eigenthümlichkeiten, welche 
uns von den einzelnen Künstlern in derselben gemeldet werden, zeigen sich 
fast nur als Ausflüsse jener beiden Anfangspunkte, von denen meist einer allein, 
zuweilen auch beide zugleich auf den einzelnen Künstler einwirkten. Bestre- 
bungen, wie wir sie z. B. bei Kallimachos gefunden haben, können in ihrer 
Vereinzelung diesen allgemeinen Satz eher bestätigen, als umstossen. Am 
deutlichsten zeigt sich der Einfluss des Phidias: Alkamenes, Agorakritos, Kolotes, 
Theokosmos, Paeonios stehen in den engsten Beziehungen zu ihm; sie sind 
seine Gehülfen bei seinen ausgedehnten Arbeiten; und wiederum werden sie 
bei ihren eigenen Schöpfungen von ihm mit Rath und That in einer Weise 
unterstützt, dass die Nachwelt über die Urheber einzelner Werke zweifelhaft 
werden konnte. Noch nach der hundertsten Olympiade scheint sich dieser 
Einfluss selbst über die Grenzen Attikas erstreckt zu haben: Damophon aus
        

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