Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1196891
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Bildhauer. 
Megalopolis, welche höchst wahrscheinlich sogleich bei der Gründung dieser 
Städte in dieser Olympiade errichtet wurden; und unter dem einen Statuen- 
verein zu Messene findet sich sogar ein Bild der Stadt Theben, mit offenbarer 
Anspielung" auf das Verdienst dieser Stadt um die Herstellung Messenes Hier- 
durch gewinnt auch die Vermuthung; Sillig's grosse Wahrscheinlichkeit, dass 
die Thätigkeit des Damophon zu Aegion in die Zeit falle, in welcher er mit 
seinem Volke noch in der Verbannung lebte. 
Es genügt eine flüchtige Betrachtung der Nachrichten des Pausanias, um 
291 zu sehen, wie wesentlich sich Damophon von allen seinen näheren Zeitgenossen 
unterscheidet. Namentlich fehlt jeder Anknüpfuilgspunkt, um ihn mit der pe- 
loponnesischen Kunstschule zu Argos in Verbindung zu setzen. Achten wir 
zuerst auf Stoff und Technik seiner Werke: kein einziges ist aus Bronze ge- 
bildet. Der Marmor, der in der Schule des Phidias zu höherem Ansehen ge- 
langt, später bei Praxitel-es überwiegt, findet sich auch von Damophon vorzugs- 
weise angewendet. Daneben aber steht eine Reihe sogenannter Akrolithe, an 
welchen nur die nackten Theile aus ltlarmor, die bekleideten aus anderen Stoffen, 
bei Damophon aus Holz, gebildet waren. Der Marmor sollte offenbar das Elfen- 
bein der glänzenden Epoche des Phidias ersetzen, das Holz mit dem noth- 
wendigen Farbenschmucke, vielleicht vergoldet, trat an die Stelle des wirk- 
lichen Goldes. Ob Damophon ein Bild aus Gold und Elfenbein gebildet, können 
wir nicht sagen: gewiss ist indessen, dass ihm die Technik bekannt war. Denn 
er restaurirte den Zeus des Phidias, an welchem das Elfenbein an's den Fugen 
gegangen war, zur grossen Zufriedenheit der Eleer 1). Dass er bei seinen eigenen 
Werken zu den geringeren Stoffen, zu Marmor und Holz, seine Zuflucht nahm, 
erklärt sich theils aus dem abnehmenden Wohlstande, theils aus dem Sinken 
der Religiosität. Immer aber müssen wir in der Wahl auch dieser Stoffe das 
Bestreben des Künstlers erkennen, sich dem Glänzendsten, was die griechische 
Kunst überhaupt geleistet, anzuschliessen. Dasselbe Streben offenbart sich aber 
auch in der Wahl der Darstellungen, denen er sich widmete. Fast kein anderer 
Künstler war so ausschiesslich, wie er, für Religion und Cultus beschäftigt. 
WVelcher Art hier seine Verdienste im Einzelnen waren, vermögen wir leider 
nicht zu bestimmen, da die Beschreibtingen des Pausanias, obwohl einige der- 
selben sogar mit einer gewissen Vorliebe entworfen sind, über die eigentlich 
künstlerischen'Fragen keinen Aufschluss gewähren. Im Ganzen werden wir 
uns aber nicht täuschen, wenn wir in Damophon einen der religiösesten Künstler 
seiner Zeit erkennen, welcher bestrebt war, die Kunst auf der Stufe geistiger 
Höhe zu erhalten, auf Welche sie namentlich durch Phidias erhoben war. Be- 
denken wir endlich, wie die Messenier wegen der alten Feindschaft gegen Sparta 
292 stets in den Athenern ihre natürlichen Bundesgenossen sahen, so wvürde es sogar 
durchaus natürlich sein, wenn Damophon seine ganze künstlerische Ausbildung 
direkt von Athen aus erhalten hätte. 
Ausser Damophon kennen wir nur noch einen einzigen messenischen 
Bildhauer: 
Pans.
        

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