Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1196750
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Bildhauer. 
fern wir indessen bei dem Bilde des Hermes mit dem Dionysoskinde nicht mit 
Unrecht an verwandte Reliefdarstellungen erinnert haben, kann es scheinen, (lass 
er sich in der geistigen Auffassung schon einigermassen von der Hoheit eines 
Phidias entfernt habe und vielmehr den Uebergang zu den lieblichen Schöpfungen 
des Praxitoles bilde. 
271 Xenophon. 
YVie bereits erwähnt wurde, arbeitete er in Megalopolis gemeinschaftlich 
mit Kephisodot die Bilder des Zeus Soter, der Stadtgöttin von Megalo- 
polis und der Artemis Soteira: Paus. VIII, 30, 10. Die Tyche mit Plutos 
auf dem Arme, welche wir mit einem Werke seines dortigen Mitarbeiters ver- 
glichen, befand sich zu 'l'heben: Paus. IX, 1G, 2. Aber auch an ihr hatte er 
nur die Hände und das Gesicht gemacht, alles Uebrige Kallistonikos, ein tl1e- 
banischer, sonst unbekannter Künstler.  Diogenes Laertius (II, 59) erwähnt 
ausserdem einen Bildhauer Xenophon von der Insel Paros, von dem wir sonst 
nichts wissen. Sollte etwa der Athener des Pausanias von dorther gebürtig 
und nur nach Athen tibergesiedelt sein? 
Sophroniskos und Sokrates. 
Von Sophroniskos haben wir nur etwas erfahren, weil er der Vater des 
Sokrates war, und wir müssen es unentschieden lassen, ob er wirklich Künstler, 
oder nur Steinmetz zu nennen ist: Äröovgydg, wie Diogenes Laertius 1), mar- 
morarius, wie Valerius lliaximus 2) sich ausdrückt. Dagegen werden Kunstwerke 
von der Hand des Sokrates sogar mit Lob erwähnt: der Hermes Propy- 
Iaeos und die Gruppe der Chariten am Eingangs der Akropolis von Athen: 
Plin. 36, 32; Paus. I, 22, 8. Dass sie drei an der Zahl und bekleidet gebildet 
waren, sagt Pausanias: IX, 35, 2 u. 3; und so finden wir sie, als Beiwerk auf 
athenischen Münzen nachgebildet 3). Nach Plinius wollten Einige einen Maler 
Sokrates für identisch mit dem Bildhauer und Weisen halten. Wäre dieses 
richtig, so würden uns darüber schwerlich alle weiteren Nachrichten fehlen.  
Schade, dass Sokrates, der, wie Lucian 4) sagt, an der Hermoglyphik gross ge- 
zogen war, nicht ebenso, wie dieser verunglückte Bildhauer, in seinen Gesprächen 
Anspielungen auf künstlerisches Treiben liebt, welche ohne Zweifel sehr lehr- 
reich für uns sein würden. Ein kurzes Gespräch mit einem sonst unbekannten 
Bildhauer, Kleiton, theilt Xenophon 5) mit. Dieser scheint hauptsächlich ath- 
letische Figuren gemacht zu haben, und Sokrates sucht ihm zu beweisen, dass 
272 man, um dieselben recht lebensvoll zu bilden, nicht nur die Formen des Kör- 
pers nachahmen, sondern auch auf den Ausdruck der Seelenthätigkeit sein Auge11- 
merk richten müsse. 
Unter den Schülern des Sokrates ist, zwar nicht als Künstler, aber als 
princeps forma in ea aetate 6) für die Kunst Alkibiades von Bedeutung. Wir 
müssen seiner bei den folgenden vier Künstlern Erwähnung thun. 
Ni kerato s. 
Er war nach Tatian 7) Athener von Geburt und Sohn des Euktemon. Pli- 
nius erwähnt zuerst S) von ihm: Asklepios und Hygiea, welche sich zu 
1) H, init. 
Memor. III, 10. 
ext. 
36, 
Uillin. 
ad Gr. 
gal. myth. t. XXXTII, 
 53, p. 11-5 ed WVorth. 
Somn.
        

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