Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1196735
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Die 
Bildhauer. 
.268 des Praxiteles sein. Der Zusammenhang lehrt jedoch, dass sie ein von den 
andern unabhängiges Bild war, dessen Entstehungszeit nicht bestimmt angegeben 
werden kann.  Ferner sah Pausanias 1) auf dem Helikon d rei Mus enstatuen 
von Strongylion neben drei andern des Olympiosthenes und eben so vielen des 
Kephisodotos. Da sie wahrscheinlich gleichzeitig; aufgestellt waren, Kephisodot 
aber gewöhnlich in die 102te Olympiade gesetzt wird, so glaubte man hiermit 
die frühere Bestimmung, wonach Strongylion schon vor Ol. 91, 2 thätig sein 
musste, nicht in Einklang bringen zu können. Wir werden jedoch später sehen, 
dass Kephisodot schon mehrere Olympiaden früher ein bekannter Künstler sein 
konnte.  Auch Plinius 2) führt zwei Werke des Strongylion an: eine Amazon e, 
welche wegen der Vorzügliclikeit ihrer Schenkel Euknemon genannt, und 
deshalb von Nero stets mit herumgeführt wurde; ferner eine Knaben figur, 
zur welcher der bei Philippi gebliebene Brutus eine solche Liebe hegte, dass 
sie davon den Beinamen Philipp ensis erhielt. _'Endlich rühmt Pausanias 3) 
den Strongylion noch im Allgemeinen als ausgezeichnet in der Bildung von 
Stieren und Pferden. Einen Beleg dafür liefert uns das trojanische Pferd; 
und da in nicht grosser Entfernung von demselben ein eherner Stier aufgestellt 
war 4), welcher auch sonst von den Alten mit dem Pferde und einem Widder 
zusammen genannt wird, so vermuthet Bergk 5), dass auch diese Thiere Werke 
des Strongylion gewesen seien, und Pausanias gerade in Erinnerung an die- 
selben dem Künstler das allgemeine Lob ertheile. 
Dass Strongylion vielmehr zu den Nachfolgern des Myron als des Phidias 
zu rechnen ist, lehren sowohl seine Thierbildungen, als die von Plinius ge- 
nannten Werke, welche offenbar ihren Ruf nicht sowohl durch ihre geistige H0- 
heit, als durch körperliche Schönheit erlangt katten. 
Olympiosthenes. 
Er muss hier wegen der drei Musen, welche Pausanias 6) auf dem Helikon 
neben denen des Strongylion und Kephisodot sah, seine Stelle Enden, um so 
mehr, als er, neben zwei athenischen Künstlern arbeitend, selbst Athener ge- 
wesen sein wird.  
269 Kephisodotos. 
Diese Schreibung des Namens, wie sie bei Pausanias feststeht, ist auch 
bei Plinius durch die besseren Handschriften fast durchgängig als die richtige 
(anstatt Kephisodoros) erkannt worden, und es genügt daher, auf Sillig's Aus- 
gabe zu VBTWBlSGII. Pausanias 7) nennt den Kephisodot einen Athener, und dies 
geht auch daraus hervor, dass Phokions erste Gemahlin seine Schwester war a). 
Plinius aber unterscheidet ausdrücklich zwei Künstler gleiches Namens und führt 
in der chronologischen Uebersicht 9) den einen unter O1. 102, den andern unter 
O1. 121 an. Den wahrscheinlichen Grund für die erste Angabe lernen wir aus 
Pausanias 10) kennen. In Megalopolis war ein Heiligthum des Zeus Soter, ringsum 
mit Säulen geschmückt. Neben dem Zeu s, der auf einem Throne sass, standen 
auf der einen Seite die Stadtgöttin von Megalopolis, auf der andern, der 
1) IX, 
S. 979 figdd. 
30, 10. 
1  
IX, 
 Ztsßhr. f. Altw. 1845, 
34, 50 u. 51, 1") VIII,
        

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