Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1196710
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Bildhauer 
Plygiea auf der Akropolis Kunde haben, so müssen wir auf dasselbe die folgende, 
bei Plutarch 1) und Plinius?) ziemlich gleichlautenrle Erzählmrg beziehen; Bei 
dem Bau der Propylaeen stürzte einer der thätigsten und tüchtigsten Arbeiter, 
nach Plinius ein Lieblingssklave des Perikles, als er über den Giebel klettern 
wollte, von der Höhe herab und beschädigte sich dermassen, dass die Aerzte 
an seinem Aufkommen verzweifelten, Da soll dem Perikles in seiner Be- 
kümmerniss die Göttin im Traume erschienen sein und ihm als Heilmittel ein 
an der Akropolis wachsendes und deshalb Parthenion genanntes Kraut 3) an- 
gegeben haben, welches wirklich dem Arbeiter schnell und leicht zur Genesung 
verhalf. Zum Danke dafür stellte Perikles der Athene Hygiea ein ehernes Bild 
bei dem Altar auf, welchen sie, wie man sagte, schon früher auf der Akro- 
polis hatte.  Auf dieses Bild wird also die wiedergefundene Inschrift zu 
beziehen sein. Dass in derselben nicht Perikles, sondern die Athener als 
WVeihende genannt werden, darf darum keinen Anstoss erregen, weil Perikles 
auch die grösseren Werke der Akropolis nicht in seinem, sondern im Namen 
 der Stadt weihete. XVenigstens liegt darin kein Grund zu der Annahme, dass 
die Statue erst nach dem Tode des Perikles aufgestellt sein müsse. Dass end- 
lich die Basis nur Raum für eine Statue gewährt, giebt uns nicht das Recht, 
bei Plinius Hygiam Minervam für Hygiam et Minervam zu schreiben. Pausanias 
spricht von Statuen beider; und Boss schliesst gerade aus der eigenthümlichen 
Umgebung der Basis, dass in ihrer Nähe eine andere gestanden habe, welche 
meiner Meinung nach eben so wohl für das Bild der Hygiea, als für den Splanch- 
noptes des Styppax bestimmt sein konnte, von dem wir hier des Zusammen- 
hanges wegen sogleich ausführlicher handeln wollen. 
Styppax. 
So, und nicht Stipax, ist der Name nach der Bamberger Handschrift des 
Plinius zu schreiben, wie Bergk 4) nachgewiesen hat. Das Vaterland des Künst- 
266 lers war die Insel Kypros, und sein Ruf gründete sich nach Plinius 5') vorzugs- 
weise auf eine Statue, den sogenannten Splanchnoptes. Sie stellte einen Sklaven 
des Perikles dar, der Eingeweide röstete und dabei das Feuer aus vollen Backen 
anblies. Dieser Sklave aber sollte niemand anders, als jener von den Propylaeen 
heruntergesttirzte Arbeiter sein. Denn am Schlusse der unter Pyrrhos mit- 
getheilten Erzählung fügt Plinius hinzu: Hic est vernula cuius effigies ex aere 
fusa est et nobilis ille Splanchnoptes. Die Ausdrucksweise ist sehr ungeschickt; 
und wir würden an zwei verschiedene Statuen zu denken geneigt sein, wenn 
nicht die Vergleichung der beiden Stellen des Plinius uns schweigen hiesse. 
 Dass jener Sklave nicht Mnesikles, der Architekt der Propylaeen gewesen 
sei, wie Sillig vermuthete, hat bereits Boss ß) zur Genüge nachgewiesen. Aber 
Was hat die Handlung der Statue mit dem Sturze des Sklaven zu thun? Bergk 7) 
sucht diese Frage durch die Annahmezu beantworten: es sei die Hauptaufgabe 
des Künstlers gewesen, jenen Arbeiter, der ein Unfreier war, in einer Weise 
darzustellen, dass man sofort seinen Stand erkannte. Denke man sich nun nach 
den vorhandenen Spuren vor dem Bilde der Athene des P_yrrhos einen Altar, 
1) Per. 
Kunstblatt 
13. 
1840, 
3) Plutl 
Ztschr. 
4) Ztschr. f. 
184.5,  969. 
Altw 
1847,
        

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