Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1196633
Bildhauer. 
besonders klar in die Augen springt. Sicher ist wenigstens so viel, dass Pau- 
sanias dem Kallimachos eine wesentliche Vervollkommnung der technischen 
Mittel als Verdienst beilegt; und damit stimmt auch die Angabe des Vitruxi 1), 
dass er den schon erwähnten Beinamen wegen seiner „Eleganz und Subtilität 
in der Marmorarbeitit erhalten habe. Am bestimmtesten zeichnet indessen Pli- 
nius 9) die Individualität des Künstlers: „Unter Allen ist besonders durch seinen 
Beinamen Kallimachtos bekannt, stets ein Tadler seiner selbst, und von einer 
kein Ende findenden Genauigkeit, weshalb er den Beinamen katatexitechnos 
erhalten hat, bemerkenswerth als ein Beispiel, dass man auch in der Genauig- 
keit Maass halten müsse. Von ihm sind tanzende Lakedaemonierinnen, ein 
254 gefeiltes Werk, in welchem aber alle Grazie durch die übergrosse Genauigkeit 
verloren gegangen ist." Dieses Urtheil giebt uns zunächst Aufschluss über die 
bestimmtere Bedeutung des eigenthümlichen Beinamens, über welchen vielfach 
gestritten worden ist, da die Abweichungen in den Handschriften der ver- 
schiedenen Schriftsteller der Gonjectur weiten Spielraum liessen. YVir können 
hier nicht die einzelnen Lesarten kritisch untersuchen, und bemerken daher 
nur, dass die besten Quellen fast tibereinstimmend auf die Form xorrarrygirexvog 
 hinleiten. Die Erklärung derselben ergiebt sich aus Dionys von Halikarnass 3): 
O13 yoip örf 101„ rcldorat tat-v xat yparpefg äv 277g] goäagrgj Xsipäv süoroxiag ävösi- 
xvüysvot roooürovg sloqaägovrat rrövovg, oäors xal cpläßta xccl nrüta xat xvoüg 
xocl. rot roürong; örzowc eig ctxgov ägeoyctgeoäaz m2 xaranfustv sig raüra rdg 
räxvag     „Man sieht (um hier die XVorte Müller's 4) anzuführen, dass xccra- 
rrlxstv rllv räxwyv ein sorgfältiges Ausdrücken aller Details der Oberfläche, über- 
haupt ein Bilden ins Feinste und Kleinste bezeichnet. Dieser Ausdruck muss 
in den WVerkstätten der Künstler gebräuchlich gewesen sein, aus welchen ihn 
nur Dionysios für rhetorische Zwecke entlehnt; offenbar ging; er von den eigent- 
lichen Plasten aus, Welche dem Wachs, mit welchem sie den Erzguss vorbereiten, 
durch Kneten und Drücken seine Form gaben; xararrfustv drückt ein Kneten 
aus, welches nicht viel Masse übrig lässt, überall ins Dünne, Feine geht." Dieses 
xocrarrjxetr ist also, sofern nicht das richtige Maass überschritten wird, sogar 
ein nothwendiger Theil aller Kunstübung; und Kallimachos konnte in. seinem 
absichtlichen Streben nach. grösster Feinheit der Durchführung den davon ab- 
geleiteten Beinamen, auch wenn er ihm von andern, und zuerst vielleicht im 
tadelnden Sinne beigelegt war, für sich als ein Lob annehmen. Gewiss ist, wie 
Müller sagt, "der Name xararzyfjirsxrog zwar einerseits lobend, aber doch zu- 
gleich so zweideutiger Natur, dass er recht wohl durch ein nec finem habens 
diligentiae übertragen werden konnte. Denn es liegt wirklich schon in diesem 
Namen, dass dem Katatexitechnos am Ende die ganze Kunst in solche Minutien 
übergeht, sich ihm gleichsam unter den Händen zerfasert." 
Nach dieser Betrachtung müssen wir noch die Frage aufwerfen, ob nicht 
255 mit derselben das schon früher angeführte Urtheil des Dionys von Halikarnass 
im Widerspruch steht, welches Kallimachos mit Kalamis wegen der Zierlichkeit 
und Anmuth zusammenstellt. Wir bemerken zuerst, dass beide Künstler zwar 
lass 
34 
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Demosth. 
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