Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Bildhauer
Person:
Brunn, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1194573
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1196616
Bildhauer. 
(Partie. Praesentis). Die folgenden Figuren gehören offenbar zusammen. Wir 
sehen ein Ross, Welches von einem vorangehenden Diener (irtrtozönog) an einem 
Leitseile (äywyeüg) geführt wird; darauf folgt ein Mann, offenbar der Herr des 
Pferdes, der mehr im Scherz als Ernst mit einer Gerte (Qotßöog) dasselbe schlägt; 
dann ist eine Stele sichtbar und hinter derselben tritt ein zweiter Diener heran, 
um dem Ross den Zügel anzulegen. Daran reihen sich endlich Zuschauer, um 
die Darstellung" zu einem ruhigen Abschluss hinzuführen, nemlich ein Mann 
auf seinen Stab gestützt, und eine Frau, an die sich ein Kind lehnt, von dem 
Manne durch einen Altar getrennt. Vielleicht gehörte übrigens diese letztere 
Gruppe zu einer neuen Scene." 
1 Kallimachos. 
Obwohl sein Vaterland nirgends ausdrücklich genannt wird, setzen wir 
ihn nach Athen, weil sich dort wenigstens ein Werk in einem öffentlichen Ge- 
bäude von ihm befand: ein goldener Leuchter im Erechtheum mit einer 
immer brennenden Lampe, welche nur alle Jahre einmal an einem bestimmten 
Tage mit Oel versehen wurde. Von der Lampe erhob sich eine eherne Palme 
bis an die Decke des Tempels, um den Qualm von derselben abzuhalten: Pau- 
sanias I, 26, 7. Ein zweites Werk des Kallimachos sah Pausanias zu Plataeae: 
.eine sitzende bräutliche Hera (Nvttqievoizävzy): IX, 2, 7. Ferner nennt Pli- 
nius von ihm tanzende Lakedaemonierinnen: 34-, 92. Diese möchte 
Rangabe 1) für nichts Anderes, als die noch vorhandenen Karyatiden am Erech- 
tbeum erklären. Allein so erfreulich es wäre, diese Werke auf einen bestimmten 
Künstler zurückführen zu können, so dürfen wir uns doch von seinen, bei dem 
ersten Blicke überraschenden Gründen nicht blenden lassen. Lucian nemlich 
erwähnt?) eine Art des Tanzens, welche durch xagvartgetv bezeichnet wurde. 
So habe Plinius aus einem Missverständnisse Karyatiden für lakedämonische 
Tänzerinnen halten können. Allein, dieses zugegeben, müssten wir den Plinius 
sogleich eines zweiten Fehlers beschuldigen, nemlich: Marmorwerke in dem 
Buche über die Erzgiesser angeführt zu haben. Endlich aber passt das Urtheil, 
welches Plinius über die Tänzerinnen fällt, in keiner YVeise auf die athenischen 
Karyatiden: er nennt sie ein geteiltes (emendatum) Werk, in welchem aber 
alle Grazie durch übergrosse Sorgfalt verloren gegangen sei. 
Nach Plinius soll Kallimachos auch Maler gewesen sein; und wir würden 
zur Bestätigung dieser Angabe auf Gregor von Nazianz 3) verweisen, wenn nicht 
in dessen Zusammenstellung von Künstlern die grösste Verwirrung herrschte. 
WVichtiger ist seine Thätigkeit in der Architektur. Denn er ist es, dem 
Vitruv 4) in der bekannten Erzählung von dem Korbe auf dem Grabe eines ko- 
rinthischen Mädchens die Erfindung des korinthischen Kapitals und der 
korinthischen Säulenordnung beilegt. 
Diese Nachrichtführt uns auf die Frage nach der Zeit des Künstlers. 
Die Annahme Stackelbergdst), dass _er eine Statue des Stoikers Zeno gemacht 
und deshalb erst in der 12Osten Olympiade gelebt haben könne, beruht auf 
einem Missverständnisse der YVorte, die beiPlinius 6) sich an die Erwähnung 
 
1) Rev. arch. II 
allotempel S. 53. 
de 
salt. 
in 
Tollii 
Itin. 
Ital. 
IV
        

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